Kommentar zur Eskalation des Raketenstreits mit Russland: Bewährungsprobe

Kommentar zur Eskalation des Raketenstreits mit Russland : Bewährungsprobe

Angeblich wiederholt sich die Geschichte nicht. Doch wer sich an die Nachrüstungsdebatten der frühen 1980er Jahre erinnert, erlebt derzeit das Gegenteil. Wir befinden uns am Anfang einer Eskalationslogik, die aus dem Kalten Krieg stammt.

Vor 40 Jahren begann die Sowjetunion mit der Stationierung von Mittelstreckenraketen, die Europa als Ziel eines Atomschlages ins Visier nahmen. Das Kalkül dahinter war einfach. Vielleicht ließe sich die Nato auseinanderdividieren, denn die USA war ja nicht betroffen. Die Idee ging nicht auf und der heiß umstrittene Doppelbeschluss der Nato bereitete den Weg für die Abrüstung und schließlich den Zusammenbruch des sowjetischen Machtbereichs.

Putins Politik ist stark von Positionen des Kalten Krieges bestimmt. Dass er eine günstige Gelegenheit sieht, das militärisch zögerliche Europa und das zunehmend isolationistische Amerika gegeneinander auszuspielen, ist nicht verwunderlich.

Derzeit befinden wir uns am Anfang einer Eskalationslogik, die aus dem Kalten Krieg hinreichend bekannt ist. Damals wie heute muss sie kein gutes Ende nehmen. Auch 1980 hätte es anders ausgehen können. Der Einsatz, mit dem da gepokert wird, ist hoch. Es geht um nichts weniger als die Möglichkeit, den jeweiligen Gegner komplett zu vernichten.

Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg droht dem Kreml leise, aber klar verständlich. Er wird Taten folgen lassen müssen, wenn es keine Antwort gibt. Es gehört zu den Erfahrungen des Kalten Krieges, dass Russland nur auf eine entschiedene Haltung und Stärke reagiert. Die Nato und ihre Mitgliedsländer stehen vor einer großen Bewährungsprobe.

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