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Kommentar zum G7-Treffen: Wieder fehlt Amerika

Kommentar zum G7-Treffen : Wieder fehlt Amerika

Wieder einmal brüskieren die USA die anderen sechs großen westlichen Industrienationen und schicken zum Außenministertreffen nur ihren Vize. Ein Kommentar von unserem GA-Redakteur Holger Möhle.

Es ist noch kein Jahr her, dass US-Präsident Donald Trump – vorzeitig vom G7-Gipfel in Kanada abgereist – noch aus dem Flugzeug heraus per Twitter den finalen Konsens aufkündigte und die Abschlusserklärung des Gipfels nicht mittrug. Die Gruppe der Sieben war plötzlich geschrumpft: G7 minus eins. Jetzt zeigen die Vereinigten Staaten beim Treffen der Außenminister in der Bretagne, dass sich an ihrem Desinteresse wenig geändert hat. Außenminister Mike Pompeo hat sich erst gar nicht die Mühe gemacht, in die Bretagne zu reisen. Sollen doch Gastgeber Frankreich und auch Deutschland weiter für eine „Allianz der Multilateralisten“ trommeln. Pompeo schickte seinen Stellvertreter John Sullivan in die Runde der Sieben.

Dabei gibt es zu Friedenseinsätzen in Afrika, Schmuggel, Flucht und Migration in der Sahel-Region, besserem Schutz vor Cyberattacken, zum Kampf gegen Terrorismus oder auch zur Krise in Venezuela viel zu besprechen, erst recht in informeller G7-Runde.

Doch die USA zeigen auch hier ihren westlichen Partnern die kalte Schulter. Tatsächlich trägt die US-Regierung mit ihrer Politik dazu dabei, dass die internationale Ordnung zerbröselt. Die Welt wird dadurch nicht sicherer, sondern höchstens unberechenbarer. Just mit dieser neuen Unsicherheit hatte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg nochmals höhere Verteidigungsausgaben begründet. Da ist diese US-Regierung gern vorderste Speerspitze. Nur wenn es um multilaterale Ordnung geht, will sie nicht mitmachen.

Frankreich und Deutschland handeln nur konsequent, wenn sie versuchen, eine eigene Allianz der Multilateralisten auf die Beine zu stellen. Mit den USA ist in diesem Fall aktuell kein Bündnis zu machen.