Kommentar zu Trump nach dem Gipfel mit Kim: Verrechnet

Kommentar zu Trump nach dem Gipfel mit Kim : Verrechnet

Wäre es nach Donald Trumps Drehbuch gelaufen, stünde er jetzt als nobelpreiswürdiger Friedensstifter auf dem Siegertreppchen. Ein Gipfeltriumph in Hanoi sollte hell überstrahlen, was er in Washington an Schlägen einstecken musste. Damit hat er sich gründlich verrechnet.

Donald Trump, der bisweilen von seiner Freundschaft zu Kim Jong Un schwärmt, als wäre der Diktator sein Ziehsohn und er der gütige Mentor, ist auf dem harten Boden der Tatsachen gelandet. Der selbst ernannte Künstler des Deals musste lernen, dass der Acker der Diplomatie erst gründlich gepflügt werden muss, bevor man die Ernte einfahren kann. So blumig er dem Nordkoreaner schmeichelt, es ändert nichts am Grundwiderspruch der Gespräche.

Kim sieht in Atomwaffen eine Überlebensgarantie für sein Regime, während Trump glaubt, ihn mit der prospektbunt ausgemalten Aussicht auf blühende Landschaften zum Verzicht auf sein Arsenal bewegen zu können. Auflösen lässt sich der Widerspruch vorläufig nicht, dazu sitzt das Misstrauen zu tief. Insofern steht Hanoi für die Stunde der Wahrheit, während Cohens Anhörung im US-Kongress den Beginn einer Entzauberung symbolisieren könnte.

Nicht nur, dass der Ex-Anwalt seinem früheren Idol zur Last legte, Schweigegelder angewiesen und vorab von Wikileaks-Enthüllungen zum Nachteil Hillary Clintons gewusst zu haben. Haften bleibt ein Satz, der Erinnerungen an den Watergate-Skandal weckt. An Richard Nixon, der immer tiefer im Sumpf seiner Lügen versank, bis er 1974 zurücktreten musste. „Auch ich bin verantwortlich für Ihre Dummheiten“, entgegnete Cohen den republikanischen Abgeordneten, die stundenlang nicht eine einzige Frage zu Trumps Verhalten gestellt und umso aggressiver die Glaubwürdigkeit des Zeugen in Zweifel gezogen hatten. „Ich habe getan, was Sie heute tun, und zwar zehn Jahre lang. Ich habe Herrn Trump zehn Jahre gedeckt.“ Er könne nur davor warnen, dem Mann blind zu folgen.

Zu verstehen war es als Appell an die Konservativen, nicht länger aus falsch verstandener Lagerdisziplin zu deckeln, was nicht mehr zu deckeln ist. Ob es eine Absetzbewegung so bald geben wird, darf man allerdings bezweifeln. Zu tief sitzt der Respekt der Republikaner vor einem Meister der populistischen Zuspitzung, der sich nach wie vor auf einen verlässlichen Kern glühender Anhänger stützen kann. Auf eine Basis, die bereit ist, mit ihm durch dick und dünn zu gehen.

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