Kommentar zu Kavanaugh: Triumph mit Nachgeschmack

Kommentar zu Kavanaugh : Triumph mit Nachgeschmack

Donald Trump hat mit der Berufung von Brett Kavanaugh ans Oberste US-Gericht einen Triumph eingefahren. Doch der Sieg hat einen bitteren Nachgeschmack: Ein Land, das Heiler statt Spalter bitter nötig hat, ist zusätzlich traumatisiert worden, meint unser Autor.

Keine zwei Jahre nach Amtsantritt hat Donald Trump mit Hilfe willfähriger Republikaner sein Soll übererfüllt. Mit der Durchsetzung des bis an sein Lebensende mit dem Stigma des mutmaßlichen Sex-Täters belasteten Juristen Brett Kavanaugh hat der Präsident auf Jahrzehnte eine konservative 5:4-Mehrheit am Obersten Gerichtshof zementiert. Für die politisch-religiöse Rechte in Amerika ein Jahrhundert-Ereignis, das alles überstrahlt. Auch die oberflächlich glänzenden Wirtschaftsdaten. Für den demokratisch orientierten und sich demographisch weiter nach links entwickelnden Teil der Vereinigten Staaten ein Waterloo hoch zwei.

Die Methoden trugen auf beiden Seiten mafiöse Züge. Politik im 21. Jahrhundert ist in Amerika vollends zum pathologisch dreckigen Geschäft verkommen. Ein Land, das Heiler statt Spalter bitter nötig hat, ist zusätzlich traumatisiert worden.

Kavanaughs Sieg ist die erste Niederlage für die bei sexuellem Machtmissbrauch gesellschaftliches Großreinemachen erzwingende #MeToo-Bewegung.

Der Supreme Court, die letzte Oase, in der nicht das politische Hackebeil regiert, ist massiv in seiner Autorität beschädigt, weil ein mitnichten über jeden Zweifel erhabener Choleriker dort ab morgen Recht sprechen darf. Das könnte am 6. November bei den Kongresswahlen die gegenläufige Antwort auslösen: einen Denkzettel der erzürnten demokratischen und unabhängigen Wählerschaft.

Verlassen darauf darf man sich nicht. Kavanaugh wirkt auf Trumpianer wie eine Überdosis Viagra. Viele wollen doppelt Rache nehmen an der Linken. Mit erneuerten republikanischen Mehrheiten im Kongress bis 2020 hätte Trump einen ersten Grundstein für seine Wiederwahl gelegt.