Anschläge von Paris: Selbstmordanschlag vereitelt

Anschläge von Paris : Selbstmordanschlag vereitelt

Es hätte nicht bei der Anschlagsserie vom 13. November bleiben sollen, bei der Terroristen in Paris 130 Menschen töteten und 350 verletzten. Abdelhamid Abaaoud, einer der mutmaßlichen Drahtzieher, plante für den 18. oder 19. November ein weiteres Selbstmordattentat.

Er visierte dabei das Pariser Geschäftsviertel La Défense an. In einem Einkaufszentrum und einem Polizeikommissariat wollten sich Abaaoud und ein Komplize in die Luft sprengen und erneut möglichst viele Menschen mit sich in den Tod reißen. Was der Pariser Staatsanwalt François Molins am Dienstagabend über die jüngsten Erkenntnisse der laufenden Ermittlungen bekanntgab, lässt erschauern.

Demnach wurde das geplante Attentat durch die Anti-Terror-Operation am Morgen des 18. November in einer Wohnung im Pariser Vorort Saint-Denis vereitelt, bei der Abaaoud, seine Cousine Hasna Aït Boulahcen sowie ein weiterer Komplize starben, der noch nicht identifiziert ist. Boulahcen, die sich, anders als berichtet, nicht selbst in die Luft sprengte, war Molins zufolge "perfekt auf dem Laufenden über die Beteiligung ihres Cousins an den Attentaten" und hatte die Wohnung als provisorisches Versteck organisiert.

Die Behörden hatte nicht nur überrascht, dass der als gefährlicher Islamist bekannte Abaaoud nach den Anschlägen ausgerechnet in unmittelbarer Nähe des Stade de France in Saint-Denis untergekommen war. Auch gehörte der 28-Jährige nicht nur einem der Mordkommandos an, der in der Terrornacht Menschen in Bars und Restaurants niederschoss. Sondern er begab sich danach noch zum "Bataclan", um sich wohl das dort herrschende Chaos anzusehen - so muss er zu einem Zeitpunkt aufgetaucht sein, als noch eine Schießerei mit Geiselnahme im Gange war, auf die eine Polizei-Intervention folgte. Das hat die Auswertung der Daten seines Handys ergeben. Ein weiterer Mann soll ihn begleitet haben.

War es Mohamed Abrini? Der 30-Jährige mit belgisch-marokkanischer Staatsangehörigkeit ist Molins zufolge auf Videoaufnahmen einer Tankstelle vom 11. November mit Abaaoud an Bord des Autos zu sehen, das zwei Tage später bei den Attentaten eingesetzt wurde. Auch er soll sich zeitweise in Syrien aufgehalten haben und lebte, wie Abaaoud, im Brüsseler Vorort Molenbeek. Neben dem 26-jährigen Salah Abdeslam, der am Tatabend drei Selbstmordattentäter zum Stade de France gefahren haben soll, bevor er sich selbst von zwei weiteren Komplizen aus Brüssel abholen ließ, ist Abrini der zweite Terrorist, nach dem international gefahndet wird.

Seit den Anschlägen hat allein die französische Polizei mehr als 1230 Hausdurchsuchungen unternommen, 165 Personen festgenommen und 230 Waffen beschlagnahmt.

Währenddessen bemüht sich Präsident François Hollande darum, eine internationale Allianz gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zu schmieden. Nach einem Besuch des britischen Premierministers David Cameron in Paris, der die Unterstützung Großbritanniens zusicherte, traf Hollande am Dienstag Barack Obama in Washington. "Die Vereinigten Staaten stehen in totaler Solidarität an der Seite Frankreichs", versicherte der US-Präsident. Hollande sagte, beide Länder hätten eine Ausweitung der Bombardements gegen den IS in Syrien und im Irak beschlossen. Obama appellierte aber auch an Russland, eine "konstruktivere" Rolle zu spielen und sich bei Luftangriffen auf die Dschihadisten zu konzentrieren. Heute fliegt Hollande zu einem Gespräch mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nach Moskau.

Gestern Abend empfing er zudem Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris, die ebenfalls enge Zusammenarbeit versprach. Im Vorfeld hatte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen angekündigt, 650 deutsche Soldaten nach Mali zu schicken zur Unterstützung des dortigen französischen Militärs. Bislang sind dort bereits bis zu 200 Bundeswehrsoldaten stationiert.

Neben der Terrorgefahr sollte es bei den gestrigen Gesprächen auch um EU-weite Lösungen im Umgang mit dem Flüchtlingsandrang gehen. In der Frage hatte ein Hintergrundgespräch zwischen dem französischen Ministerpräsidenten Manuel Valls und ausländischen Journalisten für Aufregung gesorgt. Medienberichte, nach denen Valls einen EU-Aufnahmestopp für Flüchtlinge aus Nahost erwogen haben soll, wurden später seitens der Regierung korrigiert. Er habe lediglich gesagt, Europa könne "nicht mehr so viele Migranten aufnehmen, das ist nicht möglich" - aber von einem Stopp sei nicht die Rede gewesen.