Kommentar zum Bericht des Weltklimarats: Schneller handeln

Kommentar zum Bericht des Weltklimarats : Schneller handeln

Der Weltklimarat (IPCC) hat vor den dramatischen Folgen der Erderwärmung gewarnt. Die Entwicklung macht schnelles und wirksames Handeln umso dringlicher, kommentiert Birgit Marschall.

Die Gletscher schmelzen schneller, der Meeresspiegel steigt stärker und der Permafrost auf der nördlichen Erdhalbkugel geht schneller zurück als erwartet. 100 Wissenschaftler aus 36 Ländern haben den Bericht geschrieben, er ist damit breit abgesichert. Auch deshalb meinen Klimaforscher, die nicht beteiligt waren, der IPCC gebe eher konservative Prognosen ab. Die Wahrheit könne noch schlimmer sein.

Die ärmsten Regionen der Welt werden am härtesten getroffen - von Dürre, Hitzewellen und Überschwemmungen. Viele Inselstaaten werden von der Landkarte verschwinden. Das wird neue Migrationsströme auslösen, die die bisherigen Flüchtlingswellen nach Europa bei Weitem übertreffen. Doch auch Europa wird den menschengemachten Klimawandel noch direkter spüren: Große Sturmfluten, die es früher nur einmal im Jahrhundert gegeben hatte, würden bald jährlich auftreten, prognostiziert der IPCC.

Die Entwicklung macht schnelles und wirksames Handeln umso dringlicher. Das Klimapaket der Bundesregierung ist ein Anfang. Es muss aber nachgebessert werden, damit es schneller spürbare Wirkungen entfalten kann. Ein Einstiegspreis von zehn Euro für eine Tonne CO2 ist lächerlich gering. Die Regierung sollte mit 35 Euro starten und den Preis bis Mitte des Jahrzehnts verdoppeln.

Vor allem aber ist eine europäische Zusammenarbeit beim Klimaschutz gefordert. Frankreichs Präsident Macron hatte dafür ehrgeizige Ziele vorgegeben. Berlin muss Macron in der Klimapolitik besser unterstützen. Eine Koalition der Willigen unter den EU-Staaten scheint der einzig gangbare Weg zu sein.