Parlamentswahlen in der Schweiz: Satte Gewinne für die zwei grünen Parteien

Parlamentswahlen in der Schweiz : Satte Gewinne für die zwei grünen Parteien

Die Grünen der Schweiz konnten ihren Anteil auf knapp 13 Prozent steigern, die Grünliberalen steigen auf acht Prozent. Die Rechtsgerichtete Volkspartei erleidet einen Dämpfer, bleibt aber mit voraussichtlich 26 Prozent stärkste politische Kraft.

Der Klimawandel macht es möglich: In der Schweizer Politik werden in den nächsten vier Jahren grüne Parteifarben deutlich stärker vertreten sein als bisher. Bei den Parlamentswahlen am Sonntag verzeichneten laut ersten Hochrechnungen des Schweizer Fernsehens die zwei grünen Parteien satte Gewinne. Die Grünen der Schweiz, deren Positionen in etwa denen der deutschen Grünen entsprechen, können demnach ihren Anteil in der großen Parlamentskammer auf knapp 13 Prozent steigern. Bei den Wahlen 2015 erzielten sie noch rund sieben Prozent.

Auch die Grünliberalen (GLP) verbreitern ihre Basis deutlich auf fast acht Prozent. Vor vier Jahren waren es knapp fünf Prozent. Trotz vieler gleicher Forderungen verstehen sich die beiden grünen Kräfte als Konkurrenten.

Den Erfolgen der Umweltparteien standen laut den ersten Ergebnissen Verluste der rechtspopulistischen Schweizerischen Volkspartei von mehr als drei Prozentpunkten gegenüber.

Das Erstarken der Grünen und der Grünliberalen lässt sich auf die eskalierende globale Umweltkrise zurückführen: Die Erderwärmung als Thema rückt auch in der Schweiz in den Vordergrund. Die Einwohner des Alpenlandes können die verheerenden Folgen der steigenden Temperaturen mit eigenen Augen verfolgen: Gletscher schmelzen ab, die Schneegrenze rückt nach oben und somit verändert sich das Gesicht der Berge dramatisch.

Wie viele Parlamentssitze an die beiden grünen Parteien fallen, war zunächst noch unklar. Das alle vier Jahre gewählte Parlament der Eidgenossen setzt sich aus der großen Kammer, dem Nationalrat, und der kleinen Kammer, dem Ständerat, zusammen. Die 200 Nationalräte und die 46 Ständeräte werden im kommenden Dezember zu einem ihrer wichtigsten Termine zusammenkommen – sie werden eine neue Regierung wählen. Falls die Grünen ihre starke Position tatsächlich behaupten können, werden sie einen Sitz in der siebenköpfigen Regierung, dem Bundesrat, reklamieren.

Noch besteht die Regierung gemäß dem Prinzip der Konkordanz aus Repräsentanten der bislang vier größten Parteien: Der Schweizerischen Volkspartei, den Sozialdemokraten, der liberalen FDP und der Christlichdemokratischen Volkspartei. Laut Hochrechnungen verloren Sozialdemokraten und FDP jetzt Stimmen, die CVP legte leicht zu.

Die SVP bleibt voraussichtlich mit rund 26 Prozent stärkste politische Kraft der Schweiz. Gegenüber ihrem Rekordergebnis von mehr als 29 Prozent bei den Nationalratswahlen 2015 büßte sie aber viel Unterstützung ein. Traditionell hatte die SVP in diesem Wahlkampf wieder auf die Angst gesetzt. Die Angst vor einem zu starken Einfluss der „zentralistischen“ Europäischen Union, die das Nichtmitglied Helvetien am Gängelband führen wolle. Die Angst vor einer Masseneinwanderung. Die Angst vor einem wirtschaftlichen Abschwung. Doch konnte die SVP nicht so stark wie früher punkten. Ein Grund: Den meisten Schweizern geht es wirtschaftlich gut. Die Arbeitslosenquote liegt stabil bei etwas über zwei Prozent – solche Zustände sind in vielen anderen europäischen Staaten nahezu unbekannt. Die SVP-Schlappe lässt sich aber auch an Personen festmachen. Der inzwischen 79-jährige Christoph Blocher machte die Partei einst groß, doch er hat sich inzwischen weit zurückgezogen – einen Nachfolger mit ähnlich demagogischen Qualitäten und folkloristischem Appeal hat die SVP noch nicht hervorgebracht.

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