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Theologen und Laien zollen Benedikt Respekt: Rücktrittserklärung des Papstes überrascht auch die Bischöfe

Theologen und Laien zollen Benedikt Respekt : Rücktrittserklärung des Papstes überrascht auch die Bischöfe

Das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz in Bonn zeigte sich am Montag völlig überrascht von der Nachricht des Papst-Rücktritts. "Wir haben nichts gewusst", sagte Pressesprecher Matthias Kopp. Einer der anwesenden Mitarbeiter meinte: "Hier herrscht der pure Stress."

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hielt sich im heimischen Freiburg auf. Das Bonner Sekretariat organisierte für 14.30 Uhr ein spontanes Statement mit ihm. Man verliere einen großen Gesprächspartner, sagte Zollitsch und fügte hinzu, der Papst werde den Bischöfen fehlen, aber vieles von ihm werde bleiben.

Ähnlich überrascht war Zollitschs Kölner Kollege Joachim Kardinal Meisner. Das war schon darin erkennbar, dass die Pressestelle des Erzbistums erst am späten Nachmittag eine Stellungnahme verschickte. In der hieß es, dass Meisner die Nachricht vom bevorstehenden Rücktritt "mit großem Respekt und großer Dankbarkeit, aber auch mit Traurigkeit erfüllt" habe.

Noch vor vier Wochen, so Meisner, hätte er in Rom angefragt, ob sich der Papst vorstellen könnte, den Abschlussgottesdienst zum Eucharistischen Kongress im Juni in Köln zu feiern. "Er ließ mir antworten: Warte noch vier Wochen. Ich ahnte nichts. Die Wartezeit war vergangene Woche um, ich fragte bei seinem Sekretär nach, und es hieß: Warte noch eine Woche. Der heutige Tag brachte die Antwort."

Ihn habe am stärksten Benedikts "tiefe Sammlung und Gebetsversunkenheit" beeindruckt, erklärte Meisner. Darin sei "etwas vom Geheimnis des Menschen Joseph Ratzinger zu ahnen. Die Schwerkraft seines Lebens verlagert sich im Gebet in die Hände Gottes." Der Trierer Bischof Stephan Ackermann nannte den Papst "einen brillanten und leidenschaftlichen Theologen". Benedikt habe einen "überragenden Verstand mit großer Herzenswärme kombiniert".

Bonns Stadtdechant Wilfried Schumacher berichtete, dass ihn die Rücktrittsankündigung zu Beginn des Rosenmontagszugs erreicht habe. "Auf den ersten ungläubigen Schreck folgte ein großer Respekt vor dieser Entscheidung. Wenn ein Mensch vor sich und der Welt seine eigenen Grenzen eingesteht, dann ist dies ein Zeichen von Größe und Demut zugleich."

Schumacher erinnerte daran, dass Benedikt XVI. in Bonn seine theologische Laufbahn begonnen hatte. Das "Heimweh nach Bonn, nach der Stadt am Strom, ihrer Heiterkeit und ihrer geistigen Dynamik" sei ihm geblieben, wie Benedikt es selbst in seiner Biografie bekannt habe. "Unvergessen sind mir die Begegnungen mit ihm, unter anderem mit unserer damaligen Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann 2007 auf dem Petersplatz."

Bonns Superintendent Eckart Wüster, zugleich Mitglied der 16-köpfigen Leitung der Evangelischen Kirche im Rheinland, sagte, aus evangelischer Sicht sei es gut, "dass in Rom bislang ein Papst war, der die deutsche Situation mit den vielen gewachsenen ökumenischen Verbindungen gut kennt."

Weiter erklärte Wüster, dass der Papst ein "profilierter Theologe" sei. Das habe man an seiner Amtsführung gespürt, "auch wenn wir mit ihm nicht immer einer Meinung waren". Der Bonner Superintendent wünschte Benedikt XVI., "dass er jetzt ohne die große Belastung des hohen Amtes einen guten Lebensabend verbringen kann". Der katholischen Kirche wünschte er bei der Wahl eines Nachfolgers Gottes Segen.

Der Präsident des ebenfalls in Bonn ansässigen Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Alois Glück, meinte: In "herausragender Weise" habe der Papst mit seinem Leben der Botschaft Jesu Christi gedient. Dies sei sicher auch der Maßstab für seine jetzige Entscheidung. Der Papst trete aus gesundheitlichen Gründen zurück. Alle anderen Spekulationen seien "unangemessen".

Glück sprach von "bewegenden Zeugnissen menschlicher Größe", wenn der Papst offen von seinen nachlassenden Kräften, vom Leiden und vom Unvermögen, den ihm anvertrauten Dienst gut auszuüben, berichte. Glück nannte den Schritt einen "tiefen Einschnitt für uns alle". In Bezug auf die katholische Kirche in Deutschland sei der Tag sicher eine Zäsur.