Angelus-Gebet: Papst Franziskus: "Schönen Sonntag und guten Appetit"

Angelus-Gebet : Papst Franziskus: "Schönen Sonntag und guten Appetit"

Bei seinem ersten Angelus-Gebet wirkt Papst Franziskus bereits routinierter als am Mittwochabend auf der Loggia.

Spät nachts haben die Arbeiter die letzten Vorkehrungen rund um den Vatikan getroffen. Toilettenhäuschen wurden aufgestellt, Straßenzüge und Parkplätze abgesperrt. Gestern waren es laut Vatikan dann 150.000 Menschen, die auf dem Petersplatz und in der näheren Umgebung zum ersten Angelus-Gebet des neuen Papstes zusammenkamen. Die Stadtverwaltung Rom sprach von 300.000 Menschen. Tatsächlich wirkte der Andrang größer als bei den letzten Auftritten Benedikt XVI., als zwischen 150.000 und 200.000 Menschen gekommen waren.

Schon am Vormittag strömten viele Menschen auf den Straßen Richtung Peterskirche. Das Ereignis war eine Generalprobe für morgen, wenn in Rom Staats- und Regierungschefs aus mehr als 100 Ländern und bis zu eine Million Gläubige zur Amtseinführung des Papstes erwartet werden.

Noch vor dem Angelus-Gebet hatte der Papst erstmals die Messe in der Kirche Sankt Anna im Vatikan gefeiert und dabei wieder das Protokoll gesprengt. Nach dem Gottesdienst wartete er vor der Kirche und schüttelte Besuchern die Hände. Viele Menschen waren den Tränen nahe, als sie dem Papst begegneten. Den informellen Stil hielt er auch bei seinem zweiten großen Auftritt vor den Gläubigen bei. "Brüder und Schwestern, guten Tag!", sagte Franziskus zur Begrüßung auf Italienisch. Am Ende des Angelus-Gebets verzichtete er auf den Gruß in verschiedenen Landessprachen und verabschiedete sich mit den Worten: "Schönen Sonntag und guten Appetit!"

Langsam war der Papst an das Fenster seines Arbeitszimmers im Apostolischen Palast getreten und hatte mit erhobener Hand die Menge auf dem Petersplatz gegrüßt. Franziskus wirkte dabei bereits wesentlich routinierter als bei seinem ersten Auftritt auf der Loggia des Petersdoms kurz nach seiner Wahl am Mittwochabend.

Während seiner kurzen Ansprache rief Franziskus zu mehr Barmherzigkeit auf. "Ein bisschen Barmherzigkeit macht die Welt weniger kalt und gerechter", sagte er. "Viva il papa!", rief ihm die Menge zu, auch Sprechchöre mit seinem Namen waren zu hören. "Gott wird nie müde, uns zu vergeben. Wir sind es, die zu müde sind, um um Vergebung zu bitten", sagte Franziskus.

Nach dem Gebet, das an die Verkündigung Marias durch Erzengel Gabriel erinnern soll, läuteten die Glocken des Petersdoms. Viele Gläubige verharrten noch auf dem Petersplatz, einige Menschen tanzten und sangen. Vor allem Fahnen aus Mexiko, Kolumbien, Brasilien und der Heimat des Papstes, Argentinien, waren zu sehen. Auf dem Petersplatz herrschte nach dem Gebet und der Ansprache Volksfeststimmung.

Unter den Gläubigen waren auch zwei Fußballfans des Clubs San Lorenzo aus Buenos Aires, bei dem Jorge Mario Bergoglio Mitglied ist. Sie hielten ein Transparent in die Luft mit der Aufschrift: "Papst Franziskus, Stolz von San Lorenzo!" Viele Gläubige zeigten sich angetan vom neuen Stil des Papstes. "Seine Stimme ist sanft, seine Gesten sind bescheiden, das gefällt mir", sagte eine Römerin.

Das Bild des neuen Papstes als nahbarer und unkomplizierter Bischof wird auch vom Vatikan gefördert. Sprecher Federico Lombardi, der wie Franziskus dem Jesuiten-Orden angehört, betont in seinen täglichen Pressekonferenzen die Einfachheit der Gesten des neuen Papstes. Auch werden Bilder verbreitet, die den Eindruck von Franziskus als unkonventionellem Bischof fördern. Dazu gehören etwa Aufnahmen, wie der Papst sich nach seiner Wahl mit den Kardinälen in den Bus setzt, anstatt die Papst-Limousine in Anspruch zu nehmen. Bei seinen ersten Fahrten in der Stadt ließ sich der Papst in einer einfachen VW-Limousine der Gendarmerie chauffieren. Am kommenden Samstag soll Franziskus aber mit dem Helikopter nach Castel Gandolfo geflogen werden, um dort mit dem emeritierten Papst Benedikt XVI. zusammen zu kommen.