Kommentar zum Treffen islamischer Länder in Istanbul: Neue Fronten

Kommentar zum Treffen islamischer Länder in Istanbul : Neue Fronten

Die Spannungen zwischen Ankara und Washington könnten sich weiter verstärken, kommentiert Susanne Güsten.

Nach der Jerusalem-Entscheidung von Donald Trump bilden sich im Nahen Osten neue Bündnisse und Fronten. Der türkische Staatschef Erdogan setzt zwar alles daran, im Konzert der Großmächte mitspielen zu können, doch der Takt wird von Anderen vorgegeben.

Das von Erdogan initiierte Sondertreffen der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (OIC) endete mit einer gemeinsamen Erklärung voller Kritik an den USA und an Israel. Doch dass die Versammlung bei den künftigen Beratungen über die politische Ordnung im Nahen Osten und über das Verhältnis zwischen Israel und den Palästinensern eine große Rolle spielen wird, ist nicht zu erwarten.

Die USA suchen in der islamischen Welt die Nähe zu Saudi-Arabien und zu Ägypten – nicht zur Türkei und ihren entschieden anti-israelischen Positionen. Zudem arbeitet die Türkei zumindest in einigen Bereichen mit Katar und dem Iran zusammen, was das Misstrauen der Amerikaner weiter wachsen lässt. Auch im US-Kongress wächst die Kritik an der Türkei. Wenn US-Vizepräsident Mike Pence an diesem Wochenende die Region besucht, reist er zwar nach Kairo, aber nicht nach Ankara. Hinter den Kulissen knüpfen Israel und Saudi-Arabien diskret Kontakte.

Mit dieser Entwicklung sinkt Erdogans politische Bedeutung für die USA, und zwar ausgerechnet in einem Moment, in dem der türkische Präsident eine regionale Führungsrolle für sich und sein Land beansprucht. Das wird die Spannungen zwischen Ankara und Washington weiter verstärken.

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