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Referendum in Schottland: Mehr als Whisky und Dudelsack

Referendum in Schottland : Mehr als Whisky und Dudelsack

Das Referendum zur Unabhängigkeit rüttelt an den Grundfesten Großbritanniens. Die wichtigsten Punkte finden Sie im folgenden Überblick.

Was ist aus dem einstigen Weltreich geworden? Großbritannien steht wenige Tage vor dem wegweisenden Referendum, mit dem sich Schottland vom Mutterland Großbritannien abspalten könnte. Es ist nicht eine weitere von vielen fernen Kolonien, die in den vergangenen Jahrzehnten London - mal im Streit, mal in guter Freundschaft - den Rücken kehrten.

Schottland wäre erstmals ein Teil des Mutterlandes, das nördliche Drittel der Hauptinsel Großbritannien des Vereinigten Königreichs, dessen fünf Millionen Einwohner "Good-Bye" sagen würden. Es geht um mehr als Whisky und Dudelsack.

Wenn am Donnerstag mehr als 4,2 Millionen Schotten aufgerufen sind, die Frage zur Unabhängigkeit ihrer Heimat zu beantworten, haben sie eine Unzahl von Argumenten aus beiden Lagern gehört. Die Kampagne läuft bereits seit 2011. Die wichtigsten Punkte rund um das schottische Referendum auf einen Blick.

EU

Schottlands Unabhängigkeitsbefürworter wollen EU-Mitglied bleiben. Doch aus Brüssel hieß es in den vergangenen Monaten, dass ein souveränes Schottland sich nach Artikel 49 des EU-Vertrags neu bewerben müsste. Mehrere Staaten, etwa Spanien, könnten aus Sorge vor eigenen Separationsbewegungen die Mitgliedschaft blockieren.

Die Regierung in Edinburgh wünscht dagegen, dass bis zur geplanten Unabhängigkeit 2016 eine Vertragsänderung nach Artikel 48 verhandelt wird. Auf diesem Weg könnte Schottland in der EU bleiben, ohne sich um einen neuen Beitritt bewerben zu müssen.

Da Großbritannien auch innerhalb des Schengenraums intensive Grenzkontrollen betreibt, die Befürworter der Loslösung aber bereits angekündigt haben, die Einreisebestimmungen lockern zu wollen, könnte es künftig entlang der Grenzen Kontrollen geben.

Währung

Die Ja-Kampagne der Scottish National Party (SNP) will das britische Pfund Sterling behalten. Alle großen Parteien in London haben jedoch einstimmig erklärt, dass sie ihre Währung nicht mit einem souveränen Nachbarn teilen wollen. Eine Währungsunion wird abgelehnt, auch weil damit der schottischen Regierung weiterhin Mitsprache in der Währungspolitik eingeräumt werden müsste.

Trotzdem könnte Schottland das Pfund benutzen, ohne formelle Union. Doch unter Experten gilt der Schritt, die politische Bindung aufzugeben, an der fiskalischen jedoch festzuhalten, als Wagnis.

Bei den schottischen Banken geht die Sorge um, im Falle einer Abspaltung den Schutz der Bank of England zu verlieren. Eine kaum diskutierte, weil unpopuläre Option ist der Euro. Sollte Schottland als neues Mitglied der EU beitreten, müsste es sich verpflichten, den Euro einzuführen.

Wirtschaft

Die Öl- und Gasvorkommen in der Nordsee befinden sich mehrheitlich auf schottischem Gebiet. Bei einer Unabhängigkeit würden 91 Prozent der Steuereinnahmen an die Schotten gehen, berechnete das Londoner Institut für Wirtschafts- und Sozialforschung. Geplant ist, daraus nach norwegischem Vorbild einen Öl-Fonds zu speisen, der künftigen Generationen zugutekommen soll.

Doch Experten warnen, die Vorräte könnten früher versiegen als angenommen. Zuletzt betrugen die Einnahmen umgerechnet rund 8,2 Milliarden Euro pro Jahr. Die Energieriesen BP und Shell favorisieren den Status quo.

Zudem tragen die Exporte vor allem von Whisky, aber auch von Lachs, Dienstleistungen und Maschinen positiv zur Wirtschaft bei. Erst kürzlich kündigten die beiden Großbanken, die Royal Bank of Scotland und Lloyds, jedoch an, im Falle einer Unabhängigkeit nach London abwandern zu wollen.

Atomwaffen

Das Versprechen der SNP beinhaltet, die britischen Atomwaffen vor der Küste Schottlands loszuwerden. Die mit Atomraketen bestückte U-Boot-Flotte - als Teil des seegestützten Kampfsystems Trident in Faslane stationiert - soll abgezogen werden.

Dafür plant die Regierung in Edinburgh, die Militärbasis zu einem regulären Marinestützpunkt umzubauen und eine eigene Armee aufzubauen. Wo London zukünftig dann die britischen Atomwaffen lagern will, ist offen. Schottland dagegen möchte ohne Atomwaffen Nato-Mitglied werden. Laut Allianz müssten die Schotten jedoch einen Neuantrag stellen.

Schulden

Bereits vor einigen Monaten hat Westminster durchblicken lassen, dass Großbritannien im Falle einer Abspaltung zunächst für alle Staatsschulden verantwortlich bleibt. Nach der Unabhängigkeit gilt die Aufteilung nach der Zahl der Einwohner als einfachste Variante.

Demnach käme auf den jungen Staat laut dem britischen "Economist" zwischen 121 und 143 Milliarden Pfund, umgerechnet zwischen rund 151 Milliarden und 180 Milliarden Euro, an Schulden zu. Dies würde den neuen Staat mit einer Schuldenquote von 73 und 86 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) belasten.

Monarchie

Die Schotten wollen Königin Elisabeth II. behalten. Sollte es zur Autonomie kommen, würde Schottland zu einer parlamentarischen Monarchie mit der Queen als Staatsoberhaupt werden, ähnlich wie Kanada und Australien dies derzeit handhaben. Die Royals vertreten im Übrigen eine neutrale Position bezüglich des Referendums. Dennoch äußerte sich Königin Elizabeth II. am Montag erstmals zum bevorstehenden Referendum.

"Ich hoffe, dass alle sehr sorgfältig über das Referendum diese Woche nachdenken", sagte sie laut britischen Medienberichten nach dem Sonntagsgottesdienst nahe ihrem Feriensitz Balmoral Castle. Weiter sprach sie von einer "wichtigen Abstimmung". Einige Beobachter deuteten die Einlassung Elizabeths II. als Sorge vor einer Abspaltung Schottlands.