Machtkampf in Caracas: Machtkampf in Venezuela steuert auf Höhepunkt zu

Machtkampf in Caracas : Machtkampf in Venezuela steuert auf Höhepunkt zu

Der Machtkampf in Venezuela ist voll entbrannt: Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez verlässt den Hausarrest, die Regierung spricht von einem Putschversuch. Offen ist, wie sich das Militär verhält.

In der Nacht zum Dienstag hat sich Venezuelas Militär gespalten, und ein Teil ist zu Gegenpräsident Juan Guaido übergelaufen. Um 5.30 Uhr im Morgengrauen hielt Guaido zusammen mit dem eigentlich unter Hausarrest stehenden Oppositionspolitiker Leopoldo Lopez auf der Luftwaffenbasis La Carlota eine Ansprache. „Heute hat das Ende der Usurpation begonnen“, sagte Guaido und rief die Bevölkerung auf die Straße.

Lopez erklärte, die zu seiner Bewachung abgestellten Militärs seien auf seiner Seite, und Guaido als legitimer Präsident habe seinen Hausarrest aufgehoben. Nach Angaben der Opposition unterstützten zahlreiche Offiziere den angestrebten Sturz von Machthaber Nicolas Maduro, darunter General Manuel Ricardo Cristopher, Direktor der gefürchteten Staatssicherheit Sebin. Zur Erkennung banden sich die Aufständischen ein blaues Band um den Oberarm.

Machthaber Nicolas Maduro sprach von einem Putschversuch und teilte per Twitter mit, die Kommandanten aller Militärkasernen unterstützten weiterhin seine Regierung und alles sei unter Kontrolle.

Die Lage in Caracas war am Dienstagmorgen angespannt. In Altamira, im traditionell oppositionellen Ostteil von Caracas, versammelten sich Zehntausende, um Guaido zu feiern, darunter auch Soldaten in Uniform. Der erklärte, die Streitkräfte ständen auf der Seite des Machtwechsels und seiner, legitimen Regierung. Der Putschist sei Maduro, der das Volk beschießen lasse und aushungere. Guaido plante im Rahmen seiner „Operation Freiheit“ offenbar, sich in Altamira zu verschanzen und so einer von Maduros Justiz angeordneter Verhaftung zu widerstehen.

In vielen Städten versammelten sich Demonstranten

Vor dem Präsidentenpalast Miraflores im Westen, der einstigen Hochburg der Regierung, sprach derweil der Einpeitscher Maduros, Diosdado Cabello. Niemals wieder würden die Oligarchen in den Präsidentenpalast einziehen, rief er vor ein paar hundert Getreuen. Rund um die Luftwaffenbasis Carlota im Osten von Caracas kam es zu Schusswechseln offenbar zwischen Militärs, die zu Guaido übergelaufen waren und paramilitärischen Schlägertruppen der Regierung. TV Venezuela sprach von drei Verletzten.

Aus dem Landesinneren trafen nur zögerlich Nachrichten ein. In vielen Städten versammelten sich offenbar ebenfalls Demonstranten, um Guaido zu unterstützen. Aus dem Bundesstaat Lara wurden per Twitter Zusammenstöße gemeldet. In der zweitgrößten Stadt Maracaibo zogen oppositionelle Demonstranten vor die Kaserne und sangen die Nationalhymne. Der Informationsfluss war zäh, am Morgen intervenierte die Regierung bei Radio Caracas, einem der letzten unabhängigen Informationssender. Unklar war, ob sich auch im Landesinneren Uniformierte erhoben.

Der Oberkommandierende der Streitkräfte, Vladimir Padrino Lopez, verkündete per Twitter seine Loyalität zur Verfassung. Ihm zufolge herrschte in den acht Militärzentren des Landes Normalität. US-Vizepräsident Mike Pence sprach Guaido und seiner „Operation Freiheit“ per Twitter die volle Unterstützung aus. „Wir sind mit euch“, schrieb er auf Spanisch und Englisch. „Bis Freiheit und Demokratie wiederhergestellt sind.“ Guaido fordert ein Ende der Usurpation und vorgezogene Neuwahlen mit internationaler Überwachung.

Analyst Vladimir Gessen sprach im Sender CNN von einem Wendepunkt und einem möglicherweise improvisierten Schritt, um einer geplanten Verhaftung Guaidos durch das Regime zuvorzukommen. „Das ist ein Wendepunkt, entweder zieht Guaido nun in den Präsidentenpalast ein, oder Maduro errichtet eine Militärdiktatur.“ Bislang sei keine der Seiten stark genug gewesen, die andere zu besiegen.