Kommentar zu den Antiterror-Vorschlägen der EU: Lückenhafte Sicherheit

Kommentar zu den Antiterror-Vorschlägen der EU : Lückenhafte Sicherheit

Der Terror macht vor Ländergrenzen keinen Halt. Auch deshalb hat der Aktionsplan der EU das richtige Ziel, findet GA-Autor Detlef Drewes.

Der Wert des neuen Antiterror-Plans der EU liegt nicht in seinen einzelnen Vorschlägen. Die mögen gerade für deutsche Ohren fast banal klingen. Hierzulande haben die Anschläge in Paris, London, Brüssel und Nizza zu einer engen Zusammenarbeit von Städten, Sicherheitsbehörden und Veranstaltern geführt. In manchen Fällen sogar schon zu Absagen von Fußballspielen oder Stadtmärkten.

Ein derartiges Sicherheitsniveau ist nicht selbstverständlich. Und längst nicht in allen Mitgliedstaaten wird der Zugang zu den Bestandteilen, aus denen auch Feierabendtäter einen tödlichen Sprengsatz basteln können, so strikt kontrolliert wie in Deutschland. Dieser Flickenteppich gefährdet aber alle. Denn wer seine Bombe irgendwo im Osten oder Süden der EU zusammenbaut, kann damit unbehelligt durch die Union reisen und sich sein Ziel aussuchen.

Potenzielle Risiken bleiben

Es gibt Städte, die sich umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen nicht leisten können. Da erscheint es nur konsequent, den Schutz vor Terror zum Thema für alle zu machen und dafür zu sorgen, dass die Menschen in Bukarest oder Bratislava genauso gut geschützt sind wie in München oder Dresden. Dennoch bleiben potenzielle Risiken, weil der Zugang zu Flughäfen und Bahnhöfen unkontrolliert möglich ist. Wie groß die Gefahr in diesem Bereich ist, haben erste Anschläge in Waggons und auch das gescheiterte Attentat in Bonn gezeigt.

Die Diskussion, die Brüssel gerade anstößt, ist gut. Weil es lebensrettend sein kann, vorher darüber zu reden. Und nicht erst im Angesicht unzähliger Opfer.

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