Kommentar zum Brexit: Kreisverkehr

Kommentar zum Brexit : Kreisverkehr

In der Brexit-Diskussion könnte es einen weiteren Aufschieb für May und ihre Regierung geben. Dieses Spiel kann nicht ewig so weitergehen, kommentiert GA-Korrespondent Holger Möhle.

Theresa May sucht den nächsten Rettungsanker im Brexit-Chaos, während sich die politische Elite in London weiter um sich selbst dreht. Sie wollen raus aus der EU, aber sie wissen nicht mehr wie (und wann). Die Briten haben sich verzockt. Das richtig dicke Ende kommt erst noch. Vermutlich wäre es manchem gemäßigten Brexitier längst lieber, sie hätten diesen Irrsinn niemals begonnen. Jetzt muss das Chaos noch in irgendwie geordnete Bahnen gelenkt werden.

Die britische Premierministerin May versucht sich in diesen Tagen wieder als Brexit-Konkursverwalterin und reist nach Berlin und Paris für einen nächsten Kredit von Zeit. Dass May nach der Zahl und nach der Qualität der Abstimmungsniederlagen der vergangenen Wochen und Monate immer noch im Amt ist, ist mit politischer Logik nicht mehr zu erklären. Nur was ist noch logisch in diesen Brexit-Tagen?

In Angela Merkel hat May eine starke Befürworterin der Einheit Europas als Gesprächspartnerin, die kein Interesse daran hat, mit einem ungeordneten Brexit neue, harte Grenzen auf der irischen Insel hochzuziehen. Europa wird bereits durch zu viele Regierungen geschwächt, die glauben, ihre Angelegenheit stärker national lösen zu können.

Jetzt also womöglich ein weiterer Zeitaufschub für May und ihre Regierung. Doch dieses Spiel kann nicht unendlich weitergehen. Eine Verschiebung der Verschiebung des Brexit wird keine Lösung mehr bringen. Die Könige des politischen Kreisverkehrs müssen sich schon entscheiden, an welcher Ausfahrt sie die EU tatsächlich verlassen wollen. Deswegen muss ein weiterer Aufschub für Großbritannien an strenge Voraussetzungen geknüpft sein. Irgendwann ist genug. Der Brexit-Spuk muss bald enden, die Zeit der Extrawürste ist vorbei.