Kommentar zur wirtschaftlichen Lage der Türkei: Harte Landung

Kommentar zur wirtschaftlichen Lage der Türkei : Harte Landung

An ihrer wirtschaftlichen Lage derzeit ist Türkei selbst nicht unschuldig. In den Jahren des billigen Geldes hat das Land strukturelle Reformen verschlafen und muss jetzt bei steigenden Zinsen mit ansehen, wie sich Investoren zurückziehen.

In ihrer wachsenden Wut auf die USA und ihrer Weigerung, zur finanz- und wirtschaftspolitischen Vernunft zurückzukehren, gleicht die türkische Regierung einer Zeichentrickfigur, die über den Rand des Abgrundes hinaus gejagt ist und jetzt für einige Sekunden in der Luft rudert: Die harte Landung ist absehbar.

Präsident Erdogan sagt nicht nur US-Präsident Trump den Kampf an, sondern auch den internationalen Finanzmärkten. Die Leidtragenden sind türkische Normalbürger, deren Ersparnisse dahinschmelzen. Sie werden die Gürtel enger schnallen müssen.

Viele Probleme sind hausgemacht. In den Jahren des billigen Geldes hat die Türkei strukturelle Reformen verschlafen und muss jetzt bei steigenden Zinsen mit ansehen, wie sich Investoren zurückziehen, um ihr Vermögen woanders anzulegen. Verstärkt wird die Misere durch das neue Präsidialsystem. Es gibt niemanden in Ankara, der Erdogans Politik wirksam kontrollieren und, wenn nötig, ein Gegengewicht bilden kann, wie die Vorgaben des Staatschefs an die Zentralbank zeigen. Erdogans bisheriges Verhalten führt geradewegs ins Chaos.

Ähnliches gilt für seine Außenpolitik. Im Streit mit den USA hat Erdogan hoch gepokert: Seine Regierung versuchte, im Gegenzug für eine Freilassung des US-Pastors Brunson von Washington weitreichende Zugeständnisse zu erhalten, und ist dabei gescheitert. Auch in den Beziehungen zu Europa sind Turbulenzen trotz aller Bemühungen beider Seiten um eine Normalisierung möglich. Die Türkei ist unberechenbarer geworden.

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