Kommentar zum Treffen zwischen Nord- und Südkorea: Hart verhandeln

Kommentar zum Treffen zwischen Nord- und Südkorea : Hart verhandeln

Die Staatsoberhäupter von Nord- und Südkorea nähern sich an. Bereits für April ist ein Treffen der Staatsoberhäupter der beiden verfeindeten Staaten geplant. Felix Lee kommentiert die Annäherung.

Im Schulunterricht ist es häufig so: Ausgerechnet das aufmüpfigste Kind zieht auch die meiste Aufmerksamkeit auf sich. Genauso verhält es sich leider zuweilen auch im globalen Maßstab.

Wenn der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un Raketen ins All schießt oder mal wieder unterirdisch eine Atombombe zünden lässt, ist ihm der Zorn der Weltgemeinschaft sicher.Wenn er – wie derzeit der Fall – Gespräche anbietet, scheint Erleichterung einzukehren und alle atmen auf. Nur Donald Trump scheint dem Ganzen nicht so recht zu trauen. Doch auch der US-Präsident muss zugeben: Die Tagesordnung gibt der Diktator in Pjöngjang vor.

Moralisch mag das so manch einem übel aufstoßen. Und politisch ist das ein verheerendes Signal. Denn jedem anderen Schurkenstaat wird damit suggeriert: Die atomare Bewaffnung öffnet einem Tür und Tor.

Sicherlich bestand der ganz große Fehler darin, es mit Nordkorea überhaupt so weit kommen gelassen zu haben. Während die USA und Europa alle Hebel in Bewegung setzten, den Iran von seinen Atomplänen abzubringen, war nach dem ersten, damals noch verhältnismäßig kleinen Atomtest Nordkoreas im Jahr 2006 nur recht wenig passiert. Jetzt ist es zu spät.

Südkoreas Präsident Moon Jae In hat gar keine andere Wahl, als auf die Charmeoffensive des nordkoreanischen Diktators einzugehen und sich auf die Gespräche mit Pjöngjang einzulassen. Seine Vorgängerin, die erzkonservative Hardlinerin Park Geun Hye, hatte mit ihrer unnachgiebigen Art zu einer gefährlichen Eskalation auf der koreanischen Halbinsel beigetragen. Auch ohne den Einsatz von Atomwaffen ist Pjöngjang imstande, das nur wenige Kilometer von der Grenze entfernt liegende südkoreanische Kraftzentrum Seoul binnen weniger Stunden dem Erdboden gleichzumachen. Der sehr viel moderatere Moon weiß um diese Gefahr – und setzt auf Annäherung.

Der für Moon nächste wichtige Schritt ist es, besänftigend auch auf den unberechenbaren US-Präsidenten einzuwirken. Das wird nicht einfach. Denn Trump reagiert selbst oft wie ein jähzorniger Schuljunge. Spannend ist vor allem, ob es dem südkoreanischen Präsidenten gelingen wird, dass wegen der Olympischen Spiele verschobene gemeinsame Militärmanöver mit den USA abzusagen. Gelingt Moon das nicht, könnte es mit der innerkoreanischen Annäherung rasch wieder vorbei sein.

In den Gesprächen selbst sollte Moon dem nordkoreanischen Machthaber aber nicht nur mit offenen Armen empfangen und vor allem auch nicht anbieten, bei der Lockerung der UN-Sanktionen behilflich zu sein – zumindest so lange nicht, wie Kim weiter an seinem Atomwaffenprogramm festhält. Der Vergleich mit dem Klassentyrann hat auch hier seine Gültigkeit: Mit zu vielen netten Gesten kriegt man jemandem wie Kim auch nicht herum. Moon muss knallhart verhandeln. Damit Dreistigkeit nicht gänzlich siegt.

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