Präsidentschaftswahl in Frankreich: Front National erlebt Ergebnis als Schlappe

Präsidentschaftswahl in Frankreich : Front National erlebt Ergebnis als Schlappe

Obwohl das Ergebnis für die Front National bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich mit 34 Prozent so gut wie nie war, sind die Verantwortlichen der rechtspopulistischen Partei enttäuscht.

10,6 Millionen Menschen, also 34 Prozent aller Wähler, haben bei der französischen Präsidentschaftswahl für die Kandidatin der Front National (FN), Marine Le Pen, gestimmt. Nie in ihrer 45-jährigen Geschichte unterstützten so viele Franzosen die rechtsextreme Partei – und doch überwog am Sonntag nach Bekanntgabe der Ergebnisse die Enttäuschung. Knapp und sachlich fiel Marine Le Pens Ansprache aus, die eine „tiefe Erneuerung“ der Front National als Zusammenschluss „aller Patrioten“ versprach. Möglicherweise könnte sie die Basis bald über einen neuen Parteinamen abstimmen lassen, heißt es, um den verlorenen Elan wiederzufinden.

Im vergangenen Jahr hatten Umfragen Le Pen mit bis zu 30 Prozent in der ersten Wahlrunde mitunter als stärkste politische Kraft gesehen. Auch als diese Prognose mit dem Näherrücken des Wahltermins zurückging, schürten die Rechtspopulistin und ihre Vertrauten weiter hohe Erwartungen. „Wenn wir unter 40 Prozent sind, ist das eine Niederlage“, sagte noch vor einigen Tagen der rechtsnationale Bürgermeister von Béziers, Robert Ménard.

Während sich die meisten anderen Parteien zwischen den beiden Wahlgängen hinter Macron stellten, um ein Zeichen gegen die Front National zu setzen, fehlen dieser Bündnispartner. Zwar konnte die FN den EU-Kritiker Nicolas Dupont-Aignan gewinnen, der in der ersten Wahlrunde 4,7 Prozent holte. Bei den Parlamentswahlen im Juni dürfte die Front National nach Absprache mit ihm in einigen Wahlkreisen keine eigenen Kandidaten aufstellen, um die Chancen von Dupont-Aignans Partei „Debout la France“ („Aufrechtes Frankreich“) auf einige Sitze im Parlament zu erhöhen. Doch der Deal war möglicherweise kontraproduktiv, weil ihn viele Anhänger als Tabubruch sahen und sich entsetzt von ihm abwendeten.

Noch hält Marine Le Pen die Zügel in der Hand

Auch wenn Le Pens scharfe Anklagen gegen die Eliten und die EU, ihre Warnung vor Globalisierung und einer „Überschwemmung“ des Landes durch Einwanderer bei vielen Franzosen einen Nerv trifft, so wurden ihr Grenzen aufgezeigt. Zudem kam aus den eigenen Reihen Kritik an ihrem aggressiven und unprofessionellen Auftreten beim TV-Duell mit Macron.

Darüber hinaus werden Risse sichtbar, die die Partei und den Le-Pen-Clan schon lange durchziehen. Marine Le Pens enge Bande mit dem homosexuellen Absolventen der Elitehochschule ENA, Florian Philippot, und dem Bürgermeister des nordfranzösischen Städtchens Hénin-Beaumont, Steeve Briois, die für einen gemäßigten Rechtspopulismus plädieren, lehnen die Anhänger des Parteigründers Jean-Marie Le Pen ab.

Dieser erklärte nun den ihm verhassten „Monsieur Philippot“ zu „einem der Hauptverantwortlichen“ für die Niederlage seiner Tochter. Dem 88-jährigen Patriarchen, der längst von der Partei ausgeschlossen wurde, steht seine aufstrebende Enkelin nahe, die 27-jährige Abgeordnete Marion Maréchal-Le Pen. Mittelfristig könnte sie in offene Konkurrenz zu ihrer Tante Marine treten, um die FN wieder stärker nach rechts außen zu rücken.

Doch noch hält diese fest die Zügel in der Hand. Sie will zumindest aus den Regionalwahlen einen Erfolg machen. Das Mehrheitswahlrecht, das Allianzen für einen Sieg erfordert, und der Mangel an bekannten Kandidaten in vielen Wahlkreisen erschwert dies zwar. Dennoch könnte die Front National laut Umfragen zwischen 15 und 25 Sitze im Parlament erobern – genügend, um eine eigene Gruppe zu bilden. Und damit ein umso lauteres Sprachrohr für alle Verdrossenen und Wütenden im Land zu bleiben.