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Kommentar zum Zustand der Labour-Partei: Erbärmliches Bild

Kommentar zum Zustand der Labour-Partei : Erbärmliches Bild

Oppositionschef Jeremy Corbyn verschließt Augen und Ohren vor Kritik und ist verblendet in seinem Wunsch nach einem funktionierenden Sozialismus, kommentiert Katrin Pribyl.

Es ist den sieben Labour-Abgeordneten sichtlich schwergefallen, sich von ihrer Partei loszueisen. Seit Langem fühlen sie sich ignoriert und nicht ernstgenommen in ihren Sorgen bezüglich des bevorstehenden Brexit und der endlos scheinenden Debatte um Antisemitismus-Vorwürfe. Es war deshalb richtig, Konsequenzen zu ziehen, auch wenn die Chancen auf einen Wandel gering stehen. Aufgrund des Wahlsystems gestaltet es sich schwierig für kleine Parteien, Erfolge zu feiern. Das ist bedauerlich, denn ein nicht unerheblicher Teil der Briten, die politisch in der Mitte stehen, fühlt sich nicht mehr vertreten. Die EU-Freunde etwa appellieren seit Jahren erfolglos an Jeremy Corbyn, eine Opposition zu stellen, die den Namen verdient hat.

Ein fast noch erbärmlicheres Bild aber gibt die Führung im Streit um den Umgang mit Antisemitismus ab. Corbyn und sein linker Zirkel haben es von Anfang an versäumt, sich von jeglichen antisemitischen Tendenzen unter den Mitgliedern zu distanzieren. Der Mut der jüdischen Abgeordneten Luciana Berger, die seit Monaten fürchterlich verunglimpft wird und sich trotzdem regelmäßig mit deutlichen Worten wehrt, ist bewundernswert. Und müsste die Parteiführung eigentlich zutiefst beschämen. Nur tut es das leider nicht. Denn Corbyn verschließt Augen und Ohren vor Kritik und ist verblendet in seinem Wunsch nach einem funktionierenden Sozialismus. Statt die eigenen Positionen ab und zu an politische Realitäten anzupassen, verweist er viel lieber ständig auf das Ergebnis der Wahl im Jahr 2015, als Labour besser abgeschnitten hatte als erwartet. Corbyn lebt in einer Blase, in der ihn seine Anhänger als angeblich authentischen Politiker bejubeln. Das aber ist absurd.