Kommentar zur Seenotrettung im Mittelmeer: Erbärmlich

Kommentar zur Seenotrettung im Mittelmeer : Erbärmlich

Es ist ein erbärmliches Schauspiel und zugleich ein abstoßender Machtkampf, was sich rund um das Flüchtlingsrettungsschiff „Sea-Watch 3“ vor Lampedusa abspielt. Die Menschlichkeit bleibt auf der Strecke.

Seit dem 12. Juni sitzen 42 Migranten auf dem von einer deutschen Nichtregierungsorganisation betriebenen Schiff fest; ihr Schlauchboot war in internationalen Gewässern vor der libyschen Küste gekentert. Seitdem weigert sich Italiens Innenminister Matteo Salvini, die Geretteten im Hafen von Lampedusa an Land gehen zu lassen.

Deutschland oder die Niederlande, wo die „Sea-Watch 3“ registriert ist, sollen die Flüchtlinge aufnehmen, fordert Salvini. Die EU appelliert an ihre Mitgliedsstaaten, Solidarität zu zeigen und die Flüchtlinge aufzunehmen. Und Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) wiederum wirft der EU-Kommission vor, zu wenig für eine Lösung zu tun. Während so in gewohnt beschämender Manier Schuldzuweisungen und Verantwortlichkeiten von einem zum anderen geschoben werden, bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke.

Denn darum geht es doch: um Menschen, die vor dem Tod durch Ertrinken gerettet wurden. Jeder Schiffsführer ist zur Seenotrettung verpflichtet, jeder Staat muss das Rettungsschiff dabei unterstützen, zumindest einen sicheren Einlaufhafen zu finden. Mehr als 2200 Menschen starben im vergangenen Jahr bei dem Versuch, über das Mittelmeer europäisches Festland zu erreichen. Wer will es Helfern verdenken, wenn sie so viele Menschen wie möglich vor dem Ertrinken bewahren wollen?

Die evangelische Kirche erwägt nun, sich an einem Rettungsschiff im Mittelmeer zu beteiligen. Den moralischen Druck würde das zweifellos erhöhen. Ob sich die Salvinis dieser Welt davon beeindrucken lassen, ist fraglich.

Mehr von GA BONN