Französischer Präsident: Emmanuel Macron will mehr Nähe zum Volk

Französischer Präsident : Emmanuel Macron will mehr Nähe zum Volk

Dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron wird vorgeworfen, abgehoben zu sein. Deshalb will er seinen Stil ändern: Er will in Zukunft häufiger die Nähe zu seinem Volk suchen.

Es sind Auftritte wie aus dem Lehrbuch der politischen Kommunikation. Emmanuel Macron spaziert gut gelaunt durch Bormes-les-Mimosas, einem kleinen Städtchen an der französischen Mittelmeerküste. Er schüttelt ungezählte Hände, beantwortet geduldig Fragen. Einige Tage zuvor war der französische Präsident in Bagnères-de-Bigorre, einem Dorf am Fuße der Pyrenäen, in dem seine Großmutter Manette lebte. Dort das selbe Szenario: der Staatschef steht in der Menge, gibt sich als geduldiger Zuhörer, der sich die Sorgen seiner Landsleute zu Herzen nimmt.

Die gut geölte Medienmaschine des Präsidenten sorgt dafür, dass die Bilder dieser Auftritte auf allen Kanälen ihren Weg zu den Franzosen finden. Die Botschaft: Emmanuel Macron ist nicht unnahbar, nicht abgehoben, nicht arrogant! Emmanuel Macron ist ein Präsident des Volkes! Das neue Zauberwort in der Entourage des Staatschefs heißt: „la proximité!“ Nähe!

Der Grund für dieses sommerliche Politikschauspiel ist offensichtlich. Seit Monaten versucht Macron vergeblich, sich aus einem tiefen Popularitätsloch herauszuarbeiten. Die Proteste der „Gilets Jaunes“, der Gelbwesten, haben ihm und der Regierung schwer zugesetzt. Vor allem in der Peripherie, also dort, wo die wirtschaftlich starken Großstädte weit weg sind, gehen seit Monaten die Menschen auf die Straße, sichtbar wird ein tiefer Graben zwischen Erfolgreichen und Abgehängten. Umfragen bestätigen, dass die große Mehrheit der Franzosen die Forderungen der Gelbwesten unterstützt, die vor allem mehr soziale Gerechtigkeit fordern.

Anfängliche Ignoranz der "Gelbwesten"

Macron hat diese Bewegung anfangs sträflich ignoriert, ja lächerlich gemacht, doch nun geht der Präsident in die Gegenoffensive – und er zeigt sich ungewöhnlich demütig. „Ich glaube, in den vergangenen sechs Monaten habe ich viele Dinge falsch gemacht“, sagt der Präsident dieser Tage vor Journalisten. Er äußert Verständnis für die Wut der Menschen und erinnert daran, dass die Regierung schon einige Verbesserungen in die Wege geleitet habe. So wurden etwa die Renten erhöht, die Steuern für niedrige Einkommen gesenkt oder die Leistungen für Alleinerziehende ausgeweitet. Gleichzeitig mahnt Macron zu mehr Geduld, denn nicht alle Forderungen könnten von einem Tag auf den anderen erfüllt werden.

Allerdings macht der Staatschef auch deutlich, dass er nicht alles zu verantworten hat, was in Frankreich schiefläuft. Viele Probleme, wie etwa die soziale Ungerechtigkeit, hätten ihre Wurzeln weit in der Vergangenheit und auch die wirtschaftlichen oder ökologischen Probleme seien nicht von heute auf morgen aufgetreten. „Ich glaube, dass all diese Dinge den Menschen Angst machen“, analysiert Macron, deshalb sei es die Aufgabe der Regierung, den Menschen diese Sorgen zu nehmen und Perspektiven zur Lösung dieser Probleme aufzuzeigen.

Das heißt im Klartext, dass der Präsident an seinem politischen und wirtschaftlichen Kurs weiter festhalten wird. Allerdings will er in Zukunft häufiger die Nähe zu seinem Volk suchen. Die Kritiker tun solche Auftritte natürlich als reine PR-Veranstaltungen ab, ausgeheckt von einigen Politikstrategen. Doch Richard Ferrand, Präsident des französischen Parlaments und Fraktionsvorsitzender der Präsidentenpartei La République en Marche, unterstreicht, dass Macron „den festen Willen hat, zuzuhören und häufiger den Dialog zu suchen“. Das sei schließlich der einfachste Weg für einen Politiker, mit den Menschen in Kontakt zu treten.