Kommentar zur Präsidentschaftswahl in Frankreich: Eine gute Entscheidung

Kommentar zur Präsidentschaftswahl in Frankreich : Eine gute Entscheidung

Emmanuel Macron und Marine Le Pen haben die meisten Stimmen in der Vorwahl um das Präsidentschaftsamt in Frankreich geholt. Die Wahl von Macron ist eine gute, die schlechte ist jedoch das hohe Ergebnis für Le Pen. Ein Kommentar von GA-Korrespondentin Birgit Holzer.

Die gute Nachricht zuerst: Die Franzosen haben dem unabhängigen Kandidaten Emmanuel Macron die Chance gegeben, bei der Stichwahl am 7. Mai nächster Präsident Frankreichs zu werden. Und damit einem überzeugten Pro-Europäer und Vertreter einer jüngeren Politiker-Generation, der traditionelle Links-Rechts-Konfrontation aufbrechen und in der Mitte regieren will.

Dem Republikaner François Fillon bescherten die Wähler ein frühzeitiges Aus, der nach dem Skandal wegen Scheinbeschäftigung und den Betrugsvorwürfen nicht mehr glaubwürdig war – und zunächst sogar gleichauf mit dem Linkspopulisten Jean-Luc Mélenchon lag. Auch den Sozialisten Benoit Hamon katapultierte das Votum ins Abseits. Seine Ideen wie die von einem bedingungslosen Grundeinkommen mochten innovativ erscheinen – aber auch illusorisch.

Die schlechtere Nachricht des Wahltages ist das hohe Ergebnis der Rechtspopulistin Marine Le Pen – auch wenn sie nicht erste Kraft wurde und hinter den eigenen Erwartungen zurückblickt. Der Chefin des Front National ist es gelungen, mit ihren Forderungen nach einem Einwanderungsstopp und einem Referendum über einen EU-Austritt viele Menschen an einer empfindlichen Stelle zu treffen: die Frage nach ihrer Identität. Ihre Wähler haben Angst, in der Globalisierung unterzugehen. Angst, gegenüber Muslimen und Ausländern in die Minderheit zu geraten.

Zwar gilt es als unwahrscheinlich, dass sie tatsächlich zur Präsidentin gewählt wird. Doch bemerkenswert erscheint bereits, dass ihre Qualifizierung keinen überrascht: Ein starker Front National ist längst Normalität, der Abschottung in jeder Hinsicht vorschlägt – wirtschaftlich, mental, politisch.

Diametral entgegengesetzt erscheint Macrons Ansatz, der Frankreich wieder Mut machen, Blockaden lösen, es nicht nur in Europa halten, sondern zu einem starken Partner ausbauen will. Wie eine gute Nachricht bei der Stichwahl lauten würde – und wie die schlechte? Die Antwort erscheint eindeutig.