Kommentar zur Annäherung von Nord- und Südkorea: Ein erster Schritt

Kommentar zur Annäherung von Nord- und Südkorea : Ein erster Schritt

Eine endgültige Entspannung ist sicher noch Zukunftsmusik. Doch mit der Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen ist zumindest ein wichtiger Anfang gemacht, kommentiert Felix Lee.

Endlich. Nord- und Südkorea reden wieder miteinander. Nach mehr als zweijähriger Funkstille gab es erstmals wieder ein offizielles Treffen beider Staaten. Bei Worthülsen blieb es nicht. Nordkorea will schon in vier Wochen bei den Olympischen Winterspielen in Südkorea dabei sein. Diese Entwicklung mag zwar überraschend kommen.

Noch vor zehn Tagen schien der Konflikt verhärteter denn je – zumal Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und US-Präsident Donald Trump sich weiter einen verbalen Schlagabtausch um den „größten Atomknopf“ lieferten, wie es pubertierende Halbstarke nicht besser hätten tun können.

Die Gespräche werden von konservativen Kräften in Südkorea und US-Experten misstrauisch beäugt: Die Annäherung könnte der Versuch des Nordens sein, einen Keil zwischen Südkorea und dessen Schutzmacht USA zu treiben, meinen sie. Die Kritik ist aber unbegründet. Schon einmal hat es eine Annäherung gegeben.

Im Jahr 2000 begann Südkoreas damaliger Präsident Roh Moo Hyun, ein enger Weggefährte des jetzigen Staatschefs Moon Jae In, mit der Sonnenscheinpolitik, um zu einer friedlichen Konfliktlösung beizutragen. 2007 unterzeichneten Roh und der damalige Staatschef Nordkoreas, Kim Jong Il, sogar eine Friedenserklärung. Die Annäherung endete mit dem Präsidentenwechsel in Seoul zum Hardliner Lee Myung Bak. Wenig später nahm Nordkorea das Atomwaffenprogramm wieder auf.

Eine endgültige Entspannung ist sicher noch Zukunftsmusik. Doch mit der Teilnahme Nordkoreas an den Winterspielen ist zumindest ein wichtiger Anfang gemacht.

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