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Kommentar zum vermeintlichen russischen Doping-Geständnis: Der Preis ist hoch

Kommentar zum vermeintlichen russischen Doping-Geständnis : Der Preis ist hoch

Zumindest hat die Geschichte um Anzeliowitsch ein Ausrufezeichen gesetzt. Sie zeigt nämlich erneut, wie es klappen könnte, dem Sport wieder ein wenig mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen: Es braucht mutige Menschen aus dem inneren Zirkel, die das Betrügen, Vertuschen und Manipulieren satthaben.

Es wäre ein Sprengsatz gewesen zum Ende des Jahres. Chefin der russischen Anti-Doping-Agentur bestätigt Staatsdoping in der „New York Times“ – was für eine Schlagzeile! Doch nur wenig später ruderte Russland zurück. Falsch interpretiert, aus dem Zusammenhang gerissen. Man kennt das.

Was hat Agentur-Chefin Anna Anzeliowitsch wirklich gesagt? Und vor allem: Mit wem hat sie sich abgestimmt? Dass sie – erstens – im Alleingang vorpreschte und sich – zweitens – ihre Aussagen nicht zur Autorisierung vorlegen ließ, ist unmöglich. Dafür birgt das Thema zu viel Brisanz. Vorerst bleiben Fragezeichen.

Zumindest hat die Geschichte um Anzeliowitsch auch schon ein Ausrufezeichen gesetzt. Sie zeigt nämlich erneut, wie es klappen könnte, dem Sport wieder ein wenig mehr Glaubwürdigkeit zu verschaffen: Es braucht mutige Menschen aus dem inneren Zirkel, die das Betrügen, Vertuschen und Manipulieren satthaben.

Der Preis ist allerdings hoch, wie das Beispiel Julia Stepanowa zeigt. Die Leichtathletin wurde zur Whistleblowerin und offenbarte dem deutschen Journalisten Hajo Seppelt die russischen Doping-Praktiken. Heute lebt sie mit ihrer Familie an einem unbekannten Ort in den USA.

Kaum anzunehmen, dass es irgendwann einmal genug mutige Menschen geben wird, um den Sport von Doping, Korruption und Bestechung zu befreien. Aber immerhin, Betrügen ist nicht mehr ganz so leicht. 2016 wurde dem Sport mächtig auf die Füße getreten. Sepp Blatter, Michel Platini und viele russische Doper mussten es erfahren.