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Vorwahlen in den USA: Bernie Sanders stellt Vorwahlen auf den Prüfstand

Vorwahlen in den USA : Bernie Sanders stellt Vorwahlen auf den Prüfstand

Trotz Bernie Sanders’ Sieg in New Hampshire scheint das Rennen der US-Demokraten offen. Die Vorwahlen ziehen sich über Monate hin und sind voller Unwägbarkeiten.

Nach einer Faustregel amerikanischer Vorwahlen gibt es nur zwei Fahrkarten heraus aus New Hampshire. Demnach kann nur Präsidentschaftskandidat seiner Partei werden, wer bei der Primary dort die Ziellinie als Erster oder Zweiter überquert. Theoretisch wäre damit bereits entschieden, dass die Demokraten auf ihrem Wahlkonvent im Juli in Milwaukee entweder Bernie Sanders oder Pete Buttigieg zum Herausforderer Donald Trumps küren. Sanders, mit 78 der Älteste des Bewerberfelds, holte im „Granite State“ an der kanadischen Grenze knapp 26 Prozent der Stimmen. Buttigieg, mit 38 der Jüngste, kam auf 24 Prozent.

Auf Faustregeln aber sollte man in diesem Jahr nicht allzu sehr bauen. Dazu ist in einer Partei, die heftige Flügelkämpfe austrägt, einfach zu vieles im Fluss. Fest steht nach New Hampshire nur dies: Die Linke hat in Sanders, wie schon 2016 beim Duell gegen Hillary Clinton, erneut ihren Champion gefunden. Elizabeth Warren, die programmatisch mit dem Senator aus Vermont auf einer Linie liegt, die wie er ein staatlich organisiertes Gesundheitssystem und gebührenfreie Universitäten anstrebt, muss ihre Hoffnungen angesichts eines enttäuschenden vierten Platzes wohl schon begraben. So detailliert ihre Reformpläne auch sind, letztlich hat sie dem knorrig Authentischen, das gerade junge Amerikaner an Sanders schätzen, kein eigenes Charakterprofil entgegenzusetzen, das stark genug wäre, um mit der unverwechselbaren Marke „Bernie“ zu konkurrieren.

 Offen bleibt dagegen, wer den moderaten Parteiflügel anführen wird. Nach heutigem Stand sind es drei Bewerber, die sich Chancen ausrechnen können: Pete Buttigieg, Amy Klobuchar und Michael Bloomberg.

Wie die Vorwahlen ausgehen werden, ist in den USA ungewiss

 Buttigieg hat bestätigt, dass sein Auftaktsieg – oder zumindest das Remis gegen Sanders – in Iowa keine Eintagsfliege war. Mit ihm stürmt jenes brillante Naturtalent aus der Provinz auf die Bühne, für das Amerikas Demokraten eine besondere Schwäche haben. Was Bill Clinton 1992 war und Barack Obama 2008, das ist im Jahr 2020 der ehemalige Bürgermeister von South Bend, Indiana. Allerdings muss Buttigieg zwei echte Härtetests bestehen, bevor am „Super Tuesday“ Anfang März voraussichtlich die Entscheidung fällt. In Iowa wie in New Hampshire waren es zu rund 90 Prozent weiße Wähler, die abgestimmt haben, in New Hampshire übrigens nicht nur registrierte Demokraten, sondern auch Unabhängige, die sich an keine Partei binden wollen. In Nevada, auf der dritten Etappe des Rennens, werden Latinos maßgeblich ins Geschehen eingreifen. In South Carolina, auf der vierten, bilden Schwarze das Gros der Parteibasis. Vor allem unter ihnen, wirtschaftspolitisch progressiv, gesellschaftlich eher konservativ, in der Kirche verwurzelt, herrscht eine gewisse Skepsis gegenüber einem offen homosexuellen Politiker.

Amy Klobuchar, die debattensichere Senatorin aus Minnesota, hat mit einem starken dritten Rang (20 Prozent) die Erwartungen übertroffen. Offensichtlich hat sie bei Leuten gepunktet, die den Glauben an Joe Biden verloren haben, den ursprünglich haushohen Favoriten, der einfach zu müde, zu fahrig wirkt, als dass man ihm das Oval Office anvertrauen wollte.

Und in den Augen jener, die Buttigieg zwar eine große Zukunft prophezeien, ihn aber noch für zu unerfahren halten, profiliert sie sich als die weniger riskante Alternative. Klobuchar, im US-Senat bekannt durch zahlreiche Versuche, über Parteigrenzen hinweg mit Republikanern zu kooperieren, steht am markantesten für die Sehnsucht nach Kompromissen in der Mitte. Nur: Auch sie muss in Nevada und South Carolina erst noch zeigen, ob sie in einem Milieu bestehen kann, das die Vereinigten Staaten in ihrer ganzen Vielfalt widerspiegelt.

Schließlich Mike Bloomberg, der die riskante Wette eingeht, dass man auch dann gewinnen kann, wenn man sich bis zum „Super Tuesday“ mit der Zuschauerrolle begnügt. Klar ist, dass sein Bekanntheitsgrad den seiner Kontrahenten, abgesehen vielleicht von Sanders, bei weitem überstrahlt. Klar ist auch, dass ein Ex-Bürgermeister New Yorks glaubhafter den verwaltungserfahrenen Praktiker geben kann als ein Ex-Bürgermeister South Bends. Klar ist schließlich, dass ein 77-Jähriger wie Bloomberg mehr politischen Ballast mit sich herumschleppt als ein Newcomer wie Buttigieg. Allein wegen der großen Unbekannten Bloomberg gilt wohl erst recht: Alte Faustregeln verlieren diesmal vielleicht ihre Gültigkeit.