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Kommentar zu Missbrauch und Katholischer Kirche: Augiasstall

Kommentar zu Missbrauch und Katholischer Kirche : Augiasstall

Ein Gericht in Australien hat Kurienkardinal George Pell des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen. Aber wer ist bei solchen Nachrichten eigentlich noch überrascht? Der Fall beschädigt auch Papst Franziskus.

Eigentlich ist es ungeheuerlich. Ein Gericht in Australien hat Kurienkardinal George Pell des sexuellen Missbrauchs schuldig gesprochen. Ja, den George Pell. Das ehemalige Mitglied des von Papst Franziskus handverlesenen K9-Gremiums, also genau jenes Komitees aus Kardinälen, das die römische Kurie reformieren sollte. Den ehemaligen Finanzchef des Vatikans. Ein Missbrauchstäter. In den höchsten Ämtern der römischen Kirche.

Aber wer ist bei solchen Nachrichten eigentlich noch überrascht? Hätte man nach den letzten Monaten und Jahren noch etwas anderes erwartet? Das System des Verschweigens und Vertuschens hat eben wieder einmal funktioniert. Und wie schon viele andere Fälle zeigt auch der Fall George Pell: Zu einer Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs ist die katholische Kirche weiterhin nicht in der Lage. Denn die Vorwürfe gegen Pell sind keineswegs neu. Schon 2008 waren sie erhoben worden. Doch statt einer vatikanischen Untersuchung folgte eine vatikanische Karriere. Das beschädigt auch Franziskus, zumal auch der relativ ergebnislose Missbrauchsgipfel des vergangenen Wochenendes nicht gerade als Vorzeigeprojekt in die Annalen der Kirche eingehen wird.

Kann der Papst, kann die katholische Kirche diese Scharte noch irgendwie auswetzen? Im Kampf gegen sexuellen Missbrauch helfen nur drei Dinge: Transparenz und Offenheit im Umgang mit Unterlagen und Vorwürfen, konsequente Härte im Umgang mit den Tätern und eine gute Prävention. Es wird höchste Zeit, dass vor allem die Themen Transparenz und Härte in Rom endlich einmal angegangen werden. Beim Ausmisten des römischen Augiasstalls ist schon viel zu viel Zeit verlorengegangen.