GA-Klimazeitung: Auf diese 35 Klimafragen fehlen bislang Antworten

GA-Klimazeitung : Auf diese 35 Klimafragen fehlen bislang Antworten

Das Klimawandel stellt die Menschheit vor eine enorme Herausforderung. Viele wichtige und zukunftsweisende Fragen sind noch ungeklärt. GA-Redakteur Wolfgang Pichler hat 35 von ihnen zusammengetragen.

Haben drei Jahrzehnte voller mahnender Klima-Artikel (im GA oder sonstwo) auch nur das Geringste bewirkt? Warum glauben wir immer noch, dass „die anderen“ (Industrie, Bauern, Chinesen, Amerikaner) mit dem Verzicht anfangen müssen? Lügen wir, wenn wir behaupten, wir seien „zum Wohle der Umwelt bereit zum Verzicht“? Warum sagt keiner, dass Verzicht nicht immer Spaß ist, sondern auch wehtut? Wenn irgendein hipper Großstadtmensch ohnehin nie Fleisch isst, nie Auto fährt und Urlaub im Kanu auf der Müritz macht statt im Hotelbunker auf Mallorca – ist es dann redlich, wenn er dem weniger hippen Landmenschen den Verzicht auf all das abfordert?

Warum gründen sich gegen jedes Windrad gefühlt zehn Bürgerinitiativen? Wie viele Millionen Euro kostet, wie viele Hektar Grün verschlingt eine neue Eisenbahnstrecke? Wieviel Quadratzentimeter Stehplatz verblieben dem ÖPNV-Passagier, wenn jeder zweite Autofahrer plötzlich die Straßenbahn nähme? Wie wenig Fleisch darf's in Zukunft noch sein? Wer hilft den Metzgern, die pleitegehen – nicht den Schlachtkonzernen, sondern den Familienbetrieben in Franken und Oberhessen? Wie groß wird das Gejammer sein, wenn allerlei Dörfer in Franken und Oberhessen plötzlich eine gewisse Partei wählen? Wählen die Leute eine gewisse andere Partei nicht aus der postpubertären Haltung heraus, dass Papa Staat das Problem lösen müsse, nicht wir selbst?

Werden die Leute den Herrn Habeck immer noch so toll finden, wenn er den Benzinpreis verdoppelt? Muss es bei der CO2-Steuer nicht viele Ausnahmen geben für wichtige Berufsgruppen (Müllfahrer, Handwerkerinnen, Hebammen)? Nicht auch für die noch „wichtigeren“ (Politikerinnen, Manager, Klimakonferenzteilnehmer)? Wo es doch heute so sparsame Motoren gibt – warum sind die Autos zum Ausgleich doppelt so groß geworden? Als die stromsparenden LEDs aufkamen – warum hat sich da nicht der Stromverbrauch halbiert, sondern die Zahl der Laternen verdoppelt? Ist es wirklich nötig, dass unsere Städte nachts vom Weltraum aus sichtbar sind? „Brauchen“ wir all diese Strommassen wirklich? Wenn wir einen E-Scooter kaufen – warum benutzen wir ihn als Ersatz fürs Zu-Fuß-Gehen statt fürs Auto?

Dass sich die Leute sechs Billigklamotten von unterbezahlten Paketdienstsklaven ins Haus liefern lassen, eine behalten und fünf zurückschicken, von denen dann drei weggeworfen werden – warum darf so etwas erlaubt sein? Wenn sich irgendein Irrsinn rechnet – bleibt er nicht dennoch Irrsinn? Ist nicht auch der Digitalismus ein Teil des Problems mit seinen Strom fressenden Servern? Wieviel CO2 haben all die Klicks für einen gewissen Wutausbruch auf Youtube bewirkt? Werden die jungen Leute immer noch fürs Klima auf die Straße gehen, wenn sie bemerken, dass ihre Handys für sie das sind, was für ihre Eltern die Autos sind? Essen auch junge Leute im Dezember gerne Erdbeeren aus Chile? Und gibt es nicht diese Studie, dass Lammfleisch aus Neuseeland übers Meer zu schippern, viel ökologischer ist (weil das Lamm da drüben auf der Weide frisst und kein klimaschädlich erzeugtes Kraftfutter im Stall)?

Ist all das nicht viel zu komplex für unsere kleinen Menschenhirne? Lässt sich dieser Gordische Knoten noch aufdröseln, in dem wir alles mit allem verknüpft haben? Hätten wir damit nicht schon vor 20 Jahren anfangen müssen? Wie viele Jahrzehnte wird es brauchen, bis sich Millionen Menschen über all das einig sind? Muss immer erst die Verbotskeule drohen, bis wir mal irgendwas verstehen? Welche Partei all das auch nur anrisse – beguckte die sich nicht ganz schnell die Fünf-Prozent-Hürde von unten? Braucht es tatsächlich eine Öko-Diktatur, die all diese Sachen einfach vorschreibt? Und warum fragen Experten da noch, warum wir über all das lieber gar nicht erst nachdenken wollen?

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