Kommentar zum Mueller-Report: Ausgeträumt

Kommentar zum Mueller-Report : Ausgeträumt

Mit dem Mueller-Bericht, der Donald Trump im Hinblick auf Absprachen mit Russland entlastet, hat sich ein vorzeitiges Ende der Präsidentschaft erledigt. Der Traum vom Drachentöter ist ausgeträumt, kommentiert GA-Korrespondent Frank Herrmann.

Kein Zweifel, es ist eine Zäsur. Mit Robert Muellers Bericht hat sich erledigt, worauf die Gegner Donald Trumps lange gehofft hatten. In Mueller sahen sie den Ritter in glänzender Rüstung, der herbeigeeilt war, um dem Guten zum Sieg zu verhelfen. Einen Erlöser, der eine Präsidentschaft, die manche für rechtswidrig hielten, mit dem Schwert der Paragrafen vorzeitig beenden würde, lange vor der nächsten Wahl. Seine Nachforschungen, glaubten sie, mussten einfach zu einem Amtsenthebungsverfahren führen. Das ist nunmehr vom Tisch. Der Traum vom Drachentöter ist ausgeträumt.

Muellers eng definierter Auftrag war es, der Frage nachzugehen, ob Trumps Mannschaft im Wahlkampf 2016 geheime Absprachen mit der russischen Regierung traf. An diesen Auftrag hat er sich penibel gehalten, ohne ihn zum Ausgangspunkt eines Fischzugs zu machen. Darin unterscheidet er sich von Kenneth Starr, der ein dubioses Grundstücksgeschäft Bill und Hillary Clintons in Arkansas unter die Lupe nehmen sollte und schließlich bei der Sexaffäre des US-Präsidenten mit der Praktikantin Monica Lewinsky landete. Und im wichtigsten Punkt fällt Muellers Fazit eindeutig aus: Es gab keine Beweise für eine geheime Kooperation des Trump-Teams mit Moskau. Für die Demokraten bedeutet das, erstens zu akzeptieren, dass dieser Präsident nur dann aus dem Amt scheidet, wenn er abgewählt wird. Und zweitens konsequent die inhaltliche Auseinandersetzung mit ihm zu suchen, statt die Russlandkeule zu schwingen.

Es war ja immer ein bisschen bequem, die Niederlage Hillary Clintons einer russischen Verschwörung anzulasten, als hätte mit Wladimir Putin ein Bösewicht im Hintergrund die Fäden gezogen. In Wahrheit zehrte Trump von einer amerikanischen Verunsicherung, die er mit populistischen Sprüchen noch schürte. Er lebte von der Angst all derer, die fürchteten, abgehängt zu werden in einer Welt fortschreitender Globalisierung, einer Welt mit offenen Grenzen, deren Früchte andere zu ernten schienen.

Nun dürfte die „Russia Connection“ aus den Schlagzeilen verschwinden. Allerdings heißt das nicht, dass Mueller einen Schlussstrich unter das Kapitel gezogen hätte. Außerdem verbiegt Trump einmal mehr die Wahrheit, wenn er im Triumphgefühl behauptet, vollständig entlastet worden zu sein. Die Antwort auf die Frage, ob er die Justiz behinderte, unter anderem, als er den FBI-Direktor James Comey entließ, hat Mueller ja gerade offengelassen. Das Ringen um die Wahrheit wird also weitergehen.

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