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Duell in Nahaufnahme: Am Sonntag treten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) vor ein Millionenpublikum

Duell in Nahaufnahme : Am Sonntag treten Angela Merkel (CDU) und Peer Steinbrück (SPD) vor ein Millionenpublikum

Peer Steinbrück mag Western. Und er mag Duelle. Ende Januar dieses Jahres hielt der SPD-Kanzlerkandidat schon einmal Ausschau auf eine besondere Form des Zweikampfes sieben Monate später.

"Mindestens zwei Duelle mit Frau Merkel" wünsche er sich für die Hochphase des Wahlkampfes vor einem Millionen-Fernsehpublikum. Er schob hinterher: "Ich bin sehr gespannt, ob sie (Merkel) sich darauf einlässt."

Längst ist klar: Steinbrück kann sich mit Merkel zur besten Sendezeit duellieren, aber nur einmal. Sonntagabend (20.30 Uhr) treten Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und ihr SPD-Herausforderer zu ihrem einzigen TV-Duell an. Über 90 Minuten stellen sich Merkel und Steinbrück im Fernsehstudio Berlin-Adlershof den Fragen von gleich vier Moderatoren: Anne Will (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Stefan Raab (Pro Sieben/Sat.1). Deren Sender und Phoenix übertragen zeitgleich und live. In einem eigens neben dem Studio eingerichteten Pressezentrum verfolgen auf dem Gelände in Adlershof zudem 400 akkreditierte Korrespondenten aus dem In- und Ausland das Geschehen.

Steinbrück versprach vorab schon mal einen unterhaltsamen, gar nicht langweiligen Fernsehabend. Er gehe "sehr entspannt und sehr sportlich" in dieses Duell der Argumente, das für den Ausgang der Wahl mitentscheidend sein dürfte. Von Merkel selbst war zum Zweikampf mit Steinbrück nichts zu hören. So werden morgen Abend Millionen Wählerinnen und Wähler jede kleinste Mimik, jede Schweißperle und jedes nervöse Hände-rfalten verfolgen können, wenn die Kameras die beiden Kontrahenten übergroß in deutsche Wohnstuben zoomen.

Diese Nahaufnahme verlangt Merkel und Steinbrück maximale Konzentration und Selbstbeherrschung ab. Beim bislang letzten Fernsehduell zwischen Merkel und SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier vor vier Jahren waren 14,2 Millionen Zuschauer live dabei. 2005 beim Duell des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) mit der seinerzeitigen Herausforderin Merkel sahen 21 Millionen Zuschauer zu.

Steinbrück dürfte die programmatischen Unterschiede betonen und wohl auch auf den Plan eines gesetzlichen Mindestlohns von 8,50 Euro oder die Mindestrente von 850 Euro für langjährige Beitragszahler verweisen. Merkel wiederum kann mit ihrer Erfahrung von acht Jahren als Bundeskanzlerin und dem Glanz der internationalen Politbühne punkten, darunter auch in ihrer Rolle als Verteidigerin eines stabilen Euro.

Steinbrück weiß, dass er in diesem Duell gegen eine Kanzlerin mit ihren auch außerhalb der CDU guten Zustimmungswerten und in der Konstellation Frau gegen Mann jedes Wort wägen muss. Angriff ist für den SPD-Spitzenkandidaten Pflicht, will er den Rückstand auf Merkel und die Union verkleinern, aber eben ohne zu verletzen oder gar belehrend zu wirken. Steinbrücks rhetorische Stärke gegen eine Amtsinhaberin, die mehr nach Art einer nüchternen Sachwalterin Bilanz zieht, birgt auch eine Gefahr: Der Herausforderer könnte überziehen. Steinbrück mag Klartext, Merkel wartet Entwicklungen lieber ab.

Die Bundeskanzlerin hat es bislang vermieden, den Namen ihres Herausforderers auch nur ein einziges Mal im Wahlkampf zu nennen. Das sind die wohl gesetzten Nadelstiche einer Amtsinhaberin. Steinbrück kann damit leben. Er will ja nur gewinnen.