Landtagswahlen im Osten

Die Grünen hoffen bei Landtagswahlen auf Zuspruch

Engagiert sich in Chemnitz für die Grünen: Anna Cavazzini

Engagiert sich in Chemnitz für die Grünen: Anna Cavazzini

BERLIN. Die Grünen dürfen bei den anstehenden Landtagswahlen nun auch im Osten auf bislang nicht gekannten Zuspruch hoffen. Seit der Wende mussten die Grünen eher Mauerblümchen denn Sonnenblumen ernten.

Zeit ist kostbar. Für Uwe Ahrendt besonders: Er verkauft gewissermaßen Zeit. Ahrendt ist Geschäftsführer der Uhrenmanufaktur Nomos im sächsischen Glashütte. Seine Qualitätsuhren sind weltweit gefragt. Inzwischen verbinden auch die Grünen mit dem Mann aus dem Erzgebirge eine gewisse Erwartung. Denn: Menschen wie Ahrendt könnten dabei helfen, dass Bündnis 90/Die Grünen auch in den ostdeutschen Bundesländern etwas von jenem Zuspruch abkriegen, der der Partei in vielen Regionen der Republik seit Monaten wie selbstverständlich zufällt. Ahrendt kennt sich aus mit Ostdeutschland, dort also, wo die Grünen seit der Wende eher Mauerblümchen denn Sonnenblumen ernten mussten. Doch im Osten hat sich der Wind gedreht: blühende Landschaften auch für Grüne.

Eine Woche vor der Europawahl jedenfalls steht Ahrendt auf der Bühne des Grünen-Wahlparteitages in Berlin und gesteht: „Okay, ich habe noch nicht Joschkas Turnschuh-Lässigkeit“, aber es sei einfach wichtig zu zeigen, „dass AfD und Pegida eben keine Alternative sind“. Ahrendts Alternative, der 20 Jahre auf der CDU-Liste im Stadtrat von Glashütte Lokalpolitik gemacht hat, sind jetzt die Grünen, denen er in Berlin doch noch mitgeben muss, sie hätten „den Osten lange Zeit links liegen gelassen“. Aber jetzt will Ahrendt mithelfen, die Grünen im Osten stark zu machen – zunächst lokal. Im Stadtrat von Glashütte ist das bereits gelungen: Sie wuchsen bei der Kommunalwahl im Mai auf 11,1 Prozent. Im März hat Grünen-Chef Robert Habeck Ahrendt besucht. Für Habeck kommt jemand wie Ahrendt wie gerufen – erst recht in einst Grünen-skeptischen Regionen.

Anna Cavazzini ist jetzt Mitglied des Europäischen Parlamentes, gewählt von Platz sieben der Bundesliste, Spitzenkandidatin für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Im September und Oktober stehen Landtagswahlen in Sachsen, Brandenburg und Thüringen an. Cavazzini, 36 Jahre alt, in Hessen aufgewachsen, hat sich früh entschieden: „Ich habe für mich ganz klar gesagt: Ich mache den Osten!“ Standort Chemnitz. Erst Studium, dann erste Schritte in der Grünen-Jugend. Cavazzini: „Ich wollte wo hingehen, wo nicht alle hingehen. Leipzig ist hipp, Chemnitz ist spannend.“ Chemnitz ist für Grüne kein leichtes Pflaster. Cavazzini hat miterlebt, wie rechte Randalierer eine Veranstaltung der Grünen über rechte Burschenschaften gestürmt haben. In Sebnitz hat man ihr vorgehalten: „Ihr Grünen wollt mir doch das Auto wegnehmen!“ Aber nun blüht die Sonnenblume auch in der Diaspora. In Brandenburg liegen sie in Umfragen bei 16 Prozent (2014: 6,2), in Sachsen bei zwölf Prozent (2014: 5,7), in Thüringen bei zehn Prozent (2014: 5,7). Warum sich die Grünen im Osten lange schwer getan haben? Cavazzini: „Die Grünen sind eine Wandelpartei, in der gerne gefragt wird: Wie kann man die Welt verändern? Doch viele Menschen im Osten hatten nach dem Ende der DDR und dem nächsten Systemwechsel genug von Wandel und Veränderung. Vorbehalte gegen uns Grüne im Osten gibt es immer noch, die jüngere Generation aber ist offen für Themen wie Klimawandel und sieht deren Notwendigkeit.“ Aber jetzt geht es voran: Aufbau Ost – im Namen der Sonnenblume.