Kommentar zu den Trump-Protesten

Amerika wehrt sich

Verflixter siebter Monat: Donald Trump nach einer Pressekonferenz in der Lobby seines eigenen Hotels in New York.

Verflixter siebter Monat: Donald Trump nach einer Pressekonferenz in der Lobby seines eigenen Hotels in New York.

Bonn. Donald Trump vermeidet es, sich klar vom Rechtsextremismus zu distanzieren. Damit hat er eine bis dahin nicht dagewesene, geschlossene Front des Widerspruchs ausgelöst.

Erst waren es Demonstranten, dann Prominente, dann Manager, schließlich Generäle, Veteranen und Sportler: Der Protest in den USA gegen Präsident Donald Trump nach dessen Relativierung rassistischer Umtriebe wächst stündlich an. Es kommt etwas ins Rutschen in Amerika, ein Land lehnt sich gegen seinen Präsidenten auf.

Ist Trump dieses Mal zu weit gegangen? In der hitzigen Pressekonferenz am Dienstag stellte er die in Charlottesville aufmarschierten Neonazis mit den Gegendemonstranten auf eine Stufe. Damit vermied er es erneut, sich klar von Rechtsradikalen zu distanzieren. Und er legte am Donnerstag via Twitter nach. Damit hat Trump eine bis dahin nicht dagewesene, geschlossene Front des Widerspruchs ausgelöst.

Man kann nur staunen: „We the people“, wie es stolz über der Verfassung steht, müssen die Werte der USA verteidigen, weil sich das Staatsoberhaupt verweigert. Und das Volk und die Eliten in Wirtschaft, Kultur, Sport und Politik tun dies mit Vehemenz. Firmenlenker verließen aus Protest Trumps Beratergremien, Apple-Chef Tim Cook schrieb: „Hass ist wie Krebs“. Die Ex-Präsidenten George Bush Senior und Junior forderten, man müsse „rassistischen Fanatismus immer und in jeglicher Form zurückweisen“. Der Generalstabschef betonte, es gebe keinen Platz für Intoleranz. Auch Veteranen melden sich zu Wort: Sie hätten nicht gegen die Nazis gekämpft, nur um deren geistige Nachfahren nun im eigenen Land marschieren zu sehen. Die Kritiker nennen Trump nicht beim Namen, aber sie meinen ihn.

Wenn man Trumps Irrlichterei etwas Gutes abgewinnen kann, dann ist es das: Die einhellige Empörung zeigt, dass das anständige Amerika lebt. Dass sich viele nicht abfinden wollen mit den Tiraden aus dem Weißen Haus.

Dass sich Trump angesichts der Proteste ändert, ist nicht zu erwarten. Wer die Pressekonferenz verfolgt hat, sah einen Präsidenten, der mit seinem Temperament zwei Tage Schadensbegrenzung seiner Berater zunichtemachte, weil er sich von Journalisten und der Öffentlichkeit nichts vorschreiben lassen will. Widerspruch macht ihn nur aggressiver.

In seiner Wut übersieht Trump aber, dass sich da draußen im Land ein gefährlicher Sturm gegen ihn zusammenbraut. In Umfragen hat er neue Tiefststände erreicht, seine treue Basis alleine wird ihn nicht durchbringen können. Gleichzeitig wird es einsamer um ihn. Nachdem seine Wirtschaftsberater von Bord gegangen sind, distanzieren sich nun auch immer mehr mächtige Parteifreunde.

Und da wird es für Trump richtig gefährlich. Noch brauchen die Republikaner ihn, um ihre konservative Agenda durchzukriegen. Bleibt er aber weiter Ergebnisse schuldig und macht sich weiter mit all den Skandalen unmöglich, könnten sie irgendwann die Geduld verlieren. Vizepräsident Mike Pence macht sich laut Medienberichten schon mal bereit.