Große Diskussionen um Scheidung bei Geistlichen

Alt-katholische Bistumssynode tagte in Mainz

MAINZ. Zu Ehren des Bischofs Karl Kardinal Lehmann erhoben sich die 135 Delegierten der 59. alt-katholischen Bistumssynode, hatte ihnen dieser doch am Wochenende als ökumenisches Zeichen die Augustinerkirche für Gottesdienste und den Erbacher Hof als Tagungsraum überlassen.

"Der Geist Gottes lebt in unseren zwischenkirchlichen Beziehungen", betonte der Kardinal. 1870 hatte sich in der Folge des Unfehlbarkeitsdogmas des Papstes durch das 1. Vatikanische Konzil ein Teil von der katholischen Kirche losgelöst und sich in der alt-katholischen Kirche zusammengeschlossen, die ihren Sitz in Bonn hat, und der als 10. Bischof Matthias Ring vorsteht.

In seinem Rechenschaftsbericht zeigte sich Bischof Ring erfreut, dass offensichtlich nun auch das seit langem herrschende Eis zwischen dem Erzbistum Köln und dem alt-katholischen Bistum gebrochen sei. Erstmals hatte er eine Einladung zur Teilnahme an der Einführung von Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki erhalten.

Zugleich gab er seiner Hoffnung Ausdruck, dass nun auch eine engere Zusammenarbeit zwischen dem alt-katholischen Seminar und der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Bonn möglich werde. Grund des Zerwürfnisses war der Übertritt eines katholischen Priesters der Erzdiözese zur alt-katholischen Kirche, den diese später zu ihrem 9. Bischof wählte.

Die alt-katholische Kirche, die kein Zölibat kennt und auch Frauen zur Priesterin weiht, zählt in Deutschland mit rund 16.000 Mitgliedern zu den kleinsten Kirchen. Größere Kirchengemeinden bestehen in Bonn, Köln, Mannheim, München und Hannover. 49 haupt- und 71 nebenamtliche Geistliche tun in dieser synodal-verfassten Kirche ihren Dienst. 15 Pfarrer und Pfarrerinnen leben im Ruhestand.

Als "ökumenischer Motor" versteht sich die alt-katholische Kirche seit langem. So hielt denn auch der Leitende Bischof der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD), Landesbischof Gerhard Ulrich, die Predigt in der Lichtvesper der Synode. Unter Hinweis auf die enge Zusammenarbeit beider Kirchen - seit vielen Jahren besteht mit der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Gastfreundschaft beim Abendmahl - betonte Landesbischof Ulrich: "Die Kirchen brauchen einander und zwar mit Stärken und Schwächen, um ganz und vollständig zu werden."

Ebenso wie Ulrich ging auch der Präsident der Evangelischen Kirche von Hessen - Nassau, Volker Jung, auf aktuelle politische Fragen ein. Hier standen die Probleme der zunehmenden Zahl der Flüchtlinge ebenso wie die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen und Vorderen Orient im Mittelpunkt. Nach Jung hat die Weltlage die friedensethischen Fragen "oben auf die Tagesordnung der Kirchen" gesetzt. Kritisch äußerte sich der Kirchenpräsident zu Waffenlieferungen in den Irak und plädierte dezidiert für ein Mandat der Vereinten Nationen.

Breiten Raum nahm in der Synode die Diskussion über die Scheidung alt-katholischer Geistlicher ein. Nach einer mit großer Mehrheit angenommenen Entschließung bleiben geschiedene Geistliche der Kirche im Amt und können auch wieder heiraten. Bislang war ein Verbleiben geschiedener Geistlicher im Amt von der Zustimmung des Bischofs abhängig. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften werden in der alt-katholischen Kirche gesegnet. Offen aber ist noch die Frage, ob das Sakrament der Ehe auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften gilt. Um diese Frage zu klären, soll nun eine Kommission eingesetzt werden.