Lufthansa-Ableger: Zu billige Tickets vermiesen Eurowings das Geschäft

Lufthansa-Ableger : Zu billige Tickets vermiesen Eurowings das Geschäft

Der Lufthansa-Ableger Eurowings verdient mit seinen Tickets deutlich weniger als erhofft. Der Preiskampf ist viel härter als erwartet. Die Passagiere merken den Spardruck deutlich - der Imbiss in der mittleren Buchungsklasse wurde gestrichen.

Die Deutsche Lufthansa hat bekanntgegeben, dass sie dieses Jahr deutlich weniger Gewinn einfahren wird als ursprünglich geplant. Der Grund ist, dass der Kölner Ableger Eurowings, der an seinem Hauptflughafen Düsseldorf mehr als 40 Jets stehen hat, für seine Flugtickets viel weniger Geld einnimmt, als erhofft. „Marktweite Überkapazitäten und aggressiv wachsende Billigkonkurrenten“ in Europa würden das Geschäft erschweren, erklärte Lufthansa.Die Aktie rutschte wegen der Hiosbotschaft um mehr als zehn Prozent ab. Auch die Kurse weiterer Airlines schwächelten, weil die Experte n weitere Preiskriege zu Lasten der Gewinne befürchten.

Lufthansa gibt mit der Gewinnwarnung zu, dass Eurowings unter dem Druck der anderen Discountflieger Ryanair aus Irland, Easyjet aus Großbritannien und Wizz aus Ungarn schwerer als erwartet leidet. „Der Verdrängungswettbewerb in der europäischen Luftfahrt ist brutal“, sagt der Airline-Experte Gerald Wissel.

Eine Untersuchung des Kölner Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) hatte noch Mitte Mai gezeigt, wie stark die Ticketpreise abgerutscht sind: Danach hat Eurowings als größter deutscher Discountflieger den durchschnittlichen Preis eines Tickets von knapp 117 Euro im Frühjahr 2018 auf 106 Euro in diesem Frühjahr senken müssen.

Die britische Eayjet, die auch viele Flüge von Düsseldorf und Köln nach Berlin anbietet, fordert für einen Flug im Schnitt nur noch 55,65 Euro statt rund 67 Euro vor einem Jahr. Ryanair als größter Billigflieger Europas kassiert für Tickets ab Deutschland nur noch 59,34 Euro im Schnitt gegenüber 79,40, wobei berücksichtigt werden muss, dass die Reisenden vor einem Jahr noch mehr Handgepäck mitnehmen durften. „Wir haben so harten Wettbewerb wie seit Jahren nicht“, sagt DLR-Experte Peter Berster.

Ryanair drängt ab Köln mit aggressiven Preisen in den Markt

Lufthansa erklärt die Lage so, dass andere Wettbewerber „erhebliche Verluste hinnehmen, um ihre Marktanteile auszubauen“. Gemeint ist in Düsseldorf offensichtlich der Ryanair-Ableger Laudamotion, der mit rund acht Jets speziell mit Kampfpreisen nach Mallorca und Italien nach vorne drängt. Gleichzeitig sind Flugtickets von Easyjet zwischen Berlin und Düsseldorf sowie Köln günstig zu haben. Und ab Köln drängt Ryanair mit aggressiven Preisen in den Markt. Lufthansa und Eurowings kritisieren, dass Flugtickets oft günstiger seien als die Taxifahrt zum Airport. „Das ist ökonomisch und ökologisch unverantwortlich“, erklärte Lufthansa-Chef Carsten Spohr.

Für Eurowings wird die Lage immer dramatischer. So wird für das Gesamtjahr bei den Erlösen ein „Rückgang im mittleren einstelligen Prozentbereich erwartet“, verkündet der Mutterkonzern. Nun soll bei Eurowings „in Kürze“ ein neues Umbauprogramm vorgestellt werden, um die Kosten weiter zu senken. Denn die Ausgaben seien bisher nur „langsamer als erwartet“, gesunken, erklärt Lufthansa.

Im Klartext: Eurowings-Chef Thorsten Dirks soll die Ausgaben noch mehr senken als bisher. Er kann froh sein, dass sein Vertrag noch jüngst um mehrere Jahre verlängert worden ist, sonst wäre nicht auszuschließen, dass ihn die neuen Turbulenzen wegfegen.

Weiterer Ärger steht Eurowings bevor

Die Passagiere merken schon jetzt, dass Eurowings massiv die Kosten senken muss. Der kleine Imbiss wurde für die mittlere Buchungsklasse „Smart“ gestrichen. Als Ausgleich dürfen diese Reisenden nun zwar bevorzugt einsteigen, doch das kostet Eurowings kein Geld.

Außerdem versucht man auch, die Kosten externer Dienstleister zu senken. Als jüngst an einem einzigen Tag knapp 20 Jets von Eurowings erst nach 23 Uhr in Düsseldorf landeten, dauerte es teilweise rund zwei Stunden, bis die Passagiere endlich ihre eingeladenen Koffer erhielten. Der Grund? Das Management hatte zwar schon Mittags gewusst, dass viele Flugzeuge erst spät landen werden, weil sie wegen Gewittern starke Verspätungen in ihrem Umlauf hatten, aber ausreichend Gepäckauslader wurden offensichtlich doch nicht gebucht.

Weiterer Ärger steht bevor. Die Gewerkschaft der Flugbegleiter, UFO droht mit einem Streik bei Eurowings, weil das Unternehmen sich angeblich doch nicht an Regeln in Tarifverträgen halten will, die bei einem Schiedsverfahren vereinbart worden waren. „Ab diesem Punkt ist nichts mehr auszuschließen“, sagt UFO-Vorsitzende Sylvia De la Cruz. Am Donnerstag will die Spartengewerkschaft über ihr weiteres Vorgehen berichten.

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