Mordkommission ermittelt in Bochum: Zog erschossener Senior nicht geladene Waffe?

Mordkommission ermittelt in Bochum : Zog erschossener Senior nicht geladene Waffe?

Ein 74-Jähriger Mann ist bei einer Polizeikontrolle in Bochum erschossen worden. Er soll nach einem Gegenstand gegriffen haben, der wie eine kleine Schusswaffe aussah, worauf ein Beamter mehrere Schüsse abgab. Nun ermittelt eine Mordkommission.

Ein Polizist hat bei einem Einsatz in Bochum einen 74 Jahre alten Mann erschossen. Wie die Staatsanwaltschaft Bochum und die Polizei Essen, bei der aus Neutralitätsgründen eine Mordkommission gebildet wurde, am Montagmittag mitteilten, war die Polizei am Sonntagabend gegen 19.50 Uhr von Anwohnern alarmiert worden und vor einem Mehrfamilienhaus in Bochum-Wiemelhausen auf den Senior getroffen. Vorher am Tag sei es bereits mehrfach zu Einsätzen in diesem Bereich gekommen, die offenbar der 74-Jährige ausgelöst hatte.

Als die Polizisten den Mann kontrollieren wollten, habe dieser trotz klarer Warnungen in seinen Hosenbund gegriffen und dann mit einem kleinen Gegenstand, augenscheinlich einer Schusswaffe, auf den Beamten gezielt, der daraufhin mehrfach auf ihn schoss. Auf die Aufforderung, die Waffe sofort fallen zu lassen, habe er nicht reagiert.

Sofort eingeleitete Reanimationsmaßnahmen der Polizeibeamten und des später eingetroffenen Rettungsdienstes blieben erfolglos, der Mann starb noch vor Ort.

Bei dem waffenähnlichen Gegenstand handelt es sich nach derzeitigem Kenntnisstand nicht um eine scharfe Schusswaffe.

Die eingesetzten und zum Teil traumatisierten Polizeibeamten werden ärztlich betreut.

Die Polizei sperrte den Ort des Geschehens am Abend mit Flatterband und einem Sichtschutz ab. Warum die Polizisten gerufen worden waren, war zunächst unklar.

Für Beamte sei es enorm schwierig, in diesen oder ähnlichen Situation abzuwägen, sagte Stephan Hegger von der Gewerkschaft der Polizei. „Kommt eine als Gefahr eingeschätzte Person auf kurze Distanz auf den Beamten zu, muss er selbst entscheiden.“ Meistens seien die Schüsse dann nicht auf Arme oder Beine gerichtet, denn eine Verletzung an den Gliedmaßen könne noch eine Gegenreaktion hervorrufen. „Man muss zuverlässig treffen, man hat möglicherweise keine zweite Chance“, sagte NRW-GdP-Sprecher Hegger.

Dass Menschen durch Polizeikugeln sterben, kommt in Deutschland vergleichsweise selten vor. Wie aus jüngsten verfügbaren Zahlen der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster hervorgeht, hatten Polizisten in Deutschland im Jahr 2017 bei Einsätzen 14 Menschen erschossen. Zudem wurden 39 Menschen verletzt.

Die Zahlen lagen etwas höher als in den Jahren zuvor. 2016 waren es 11 Tote und 28 Verletzte durch Polizeischüsse gewesen. 2015 waren 10 Menschen gestorben, weitere 22 waren verletzt worden. Grund für die Zunahme ist nach Einschätzung der Gewerkschaft der Polizei auch die gestiegene Zahl von Messerangriffen. „Diese Attacken können sehr schnell tödlich sein, da muss sich ein Polizist wehren“, sagt Hegger.

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