Tourismus in Italien: Wie Promoter in Rom Jagd auf Touristen machen

Tourismus in Italien : Wie Promoter in Rom Jagd auf Touristen machen

Sogenannte Promoter liefern sich Kämpfe um die Führung von Urlaubern, die vor Sehenswürdigkeiten in Schlangen anstehen. Dabei kann es schon einmal wüst zugehen.

Nicht wenige Touristen verlieren in Rom schon mal die Orientierung. Das liegt weniger an den malerischen Gassen der Altstadt, sondern vor allem am bunten Dickicht, das in den vergangenen Jahren vor weltberühmten Sehenswürdigkeiten wie dem Kolosseum oder den Vatikanischen Museen herangewachsen ist. Ein ganzes Heer von Werbern, die geführte Touren anpreisen, macht hier Jagd auf die Orientierungslosen. Das Chaos mag ein zuweilen unterschätztes italienisches Lebensprinzip sein. Vor dem Kolosseum oder dem Vatikan ist die Verwirrung Geschäftsmodell.

Jeweils rund 200 sogenannte Promoter gehen hier auf Touristenjagd. Die meisten Reisenden stoßen völlig ahnungslos in das Gedränge vor. Das ist der Moment, in dem die Touristenfänger zuschlagen. „Skip the line“, lautet ihr Zauberwort. Eintritt ohne Schlangestehen. Tatsächlich kommt es vor, dass Touristen mehrere Stunden auf den Eintritt in die Vatikanischen Museen oder das Kolosseum warten müssen. 14 Euro kostet der Eintritt (mit Anstehen) fürs Kolosseum, das Forum Romanum und den Palatin-Hügel. Zwischen 25 und 40 Euro verlangen die Vermittler von den Touristen für den schnelleren Eintritt samt geführtem Rundgang. Geführte Gruppen bekommen bevorzugten Einlass.

Die Preise variieren, erzählt ein Insider, der seit Jahren vor dem Kolosseum tätig ist. „Wenn die Nachfrage groß ist, gehen die Preise hoch. Wenn wenige Touristen da sind, wird es günstiger“, sagt der Mann. Wer teure Schuhe, teure Uhren trägt oder zum Beispiel russisch spricht, darf sich auf zusätzliche Aufpreise einstellen.

Faustkampf um die Kundschaft

Die Touristenfänger sind jüngst wieder in die Schlagzeilen geraten. Denn im Kampf um die Kundschaft kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen. Erst kürzlich lieferten sich acht Männer aus Bangladesch vor den Vatikanischen Museen einen schließlich auch mit Fäusten ausgetragenen Streit um Kunden. Verstörte Touristen wurden Zeugen des Spektakels und riefen die Carabinieri.

Wie Kenner der Szene vermuten, wurden dabei die ungeschriebenen Regeln der Branche verletzt. Die Promoter haben feste Standorte, jede der etwa 15 Agenturen besetzt ihren Bereich mit eigenen Leuten, diese sind teilweise ethnisch aufgeteilt. So stehen Promotern aus Bangladesch etwa die Eingänge vor den Vatikanischen Museen zu, der Petersplatz ist in der Hand der afrikanischen Werber, nördlich des Vatikan haben Südamerikaner das Sagen. Im Gedränge vor dem Kolosseum ist die Aufteilung nur für Experten zu erkennen. Wer in das Gebiet der Konkurrenz eindringt, rührt an ein Tabu. „Noch schlimmer ist, wenn der Promoter einer anderen Agentur sich in Verhandlungen mit Touristen einklinkt und sie mit einem niedrigeren Preis abwirbt“, erzählt der Insider. Das könnte der Grund für die Auseinandersetzung vor dem Vatikan gewesen sein.

Das Geschäftsmodell funktioniert so: Die Agenturen reservieren im Internet Gruppentickets zu festen Zeiten und strecken die Eintrittssumme vor. Dann beginnt der Kampf um die Ware Kunde. Bis zum Eintrittstermin müssen zum Beispiel 20 Plätze gefüllt werden, sonst verfallen die Tickets. Der satte Aufpreis wird mit der Begleitung durch einen Fremdenführer gerechtfertigt. Befreundete Agenturen spielen sich gegenseitig die Kunden zu, wenn sie ihr eigenes Kontingent bereits gefüllt haben. Bis zu 300.000 Euro pro Tag wirft das Geschäft nach Schätzungen insgesamt ab.

Das Internet hilft aus dem Chaos

„Der Markt ist gesättigt“, sagt der Kenner. Wenn 200 Promoter um die Touristen kämpfen, kommt es schon mal zum Clinch. Bis zu fünf Prozent Provision bekommen die Werber, die sich mit dubiosen Schildern und fingierten Ausweisen als legale Touristenfänger ausweisen. Die Rechtslage ist unklar. Immer wieder gibt es Kontrollen durch die Polizei. Die Bußgelder, die verhängt wurden, fochten die Agenturen vor Gericht an und bekamen bislang immer recht. Bislang ergriff die Stadtverwaltung keine effektiven Maßnahmen gegen das wilde Treiben.

Wer also Roms Sehenswürdigkeiten sehen will, der muss sich auf das Fegefeuer vor dem Genuss der hohen Kultur einstellen. Die Wenigsten wissen, dass es auch einen Weg gibt, das römische Inferno zu umgehen. Nicht nur Agenturen, auch ganz einfache Privatleute können Tickets im Internet vorbestellen und so die Warteschlange überspringen. Das Chaos könnte man sich auf diese Weise im Vorbeigehen ansehen.

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