Abstand zu Berlin verringern: Wie NRW im Kampf um Start-ups aufholen will

Abstand zu Berlin verringern : Wie NRW im Kampf um Start-ups aufholen will

In Köln entsteht ein Bau, den die Macher „das digitalste Bürogebäude Deutschlands“ nennen. Es ist ein schillernder Mosaikstein im deutschlandweiten Kampf um junge Firmen, um Start-ups. Nordrhein-Westfalen will den Abstand zu Berlin verringern.

Das Gebäude, das im Kölner Nordwesten entstehen soll, ist ein kühner Traum für Technologiefreaks. „Das digitalste Bürogebäude Deutschlands“ wird es von seinen Bauherren selbstbewusst genannt. Das Haus soll etwa selbstständig erkennen, ob Menschen in einem Raum sitzen und das Licht automatisch anpassen - abgestimmt auf die Helligkeit draußen. Lichtschalter: Braucht man nicht. Kommt jemand zu Besuch, wird er per App automatisch zum richtigen Gesprächspartner gelotst. Ebenfalls per App lässt sich erkennen, ob gerade im Fitnessstudio noch ein Platz frei ist.

Die Liste ließe sich immer weiter fortsetzen. „The Ship“, so heißt das Bauprojekt offiziell, soll bis unter das Dach mit neuster Digitaltechnik ausgerüstet werden - und damit in der Start-up-Szene für Furore sorgen. Bauherr ist das Kölner Start-up Fond Of, das Taschen und Rucksäcke verkauft. Es will selbst einziehen, aber auch Coworking-Raum für andere Gründer anbieten und weitere Start-ups anziehen. Am Donnerstag (15.00 Uhr) soll der Grundstein gelegt werden. Ende 2019 soll das Gebäude fertig sein.

Das Projekt ist ein Symbol dafür, wie sich die Start-up-Szene verändert. Berlin gilt für die Gründung junger Firmen immer noch als Leuchtturm-Standort. Dabei spielt aber auch eine geschickte Vermarktung und ein bisschen auch das Klischee von der hippen Hauptstadt eine Rolle. Längst ist daher ein Kampf unter Städten und Regionen entbrannt, die sich für Gründer hübsch machen wollen. Nordrhein-Westfalen und Köln als seine größte Stadt wollen bis an die Spitze vordringen.

214 Millionen Euro zusätzliches Wagniskapital

„Nordrhein-Westfalen ist auf dem Weg zum Gründerland Nummer eins in Deutschland“, erklärt NRW-Digitalminister Andreas Pinkwart (FDP). Das Land stärke gezielt den Austausch zwischen Forschung und Gründung, zudem stelle die landeseigene NRW-Bank 214 Millionen Euro zusätzliches Wagniskapital zur Verfügung. „Und wir beseitigen bürokratische Hemmnisse wie etwa mit der elektronischen Gewerbeanmeldung“, sagt Pinkwart. In Kürze gehe man auch noch mit einem Gründerstipendium an den Start.

Im Wettbewerb pikst man den Kontrahenten dabei auch schon mal mit dem Verweis auf dessen offene Flanke. „Anders als Berlin hat Köln ein attraktives, sehr erfolgreiches und vielfältiges wirtschaftliches Umfeld - die Kunden der Start-ups. Dies ist unser Riesenvorteil“, sagt Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos). Auch die Rheinmetropole will der Szene dabei mit allerlei Programmen auf die Sprünge helfen. Bald soll eine „Startup Unit“ ihre Arbeit aufnehmen, um die Rahmenbedingungen weiter zu verbessen. Im Haushalt stehen für sie für die Jahre 2018 bis 2020 jährlich zwei Millionen Euro bereit.

Eine Studie des Bundesverbandes Deutsche Startups aus dem vergangenen Jahr weist die Region Rhein-Ruhr als einen der „Gründungs-Hotspots“ des Landes auf. Demnach haben 11,3 Prozent der an der Untersuchung teilnehmenden Firmen ihren Hauptsitz in dieser Region. Das bedeutet Platz zwei - hinter Berlin mit 16,8 Prozent.

Schnell bei potenziellen Kunden

„Wir glauben, dass NRW auf jeden Fall noch Potenzial nach oben hat“, sagt Torsten Jensen, Sprecher des Verbandes für Nordrhein-Westfalen. „NRW ist ein wirtschaftsstarker Standort mit vielen umsatzstarken Unternehmen - und alle nicht weit entfernt. Man kann hier quasi mit dem Fahrrad von Unternehmen zu Unternehmen fahren.“ Das heißt für Gründer auch: Man ist schnell bei potenziellen Kunden. Er glaube, dass Berlin und andere Standorte bislang „einfach lauter“ gewesen seien, sagt Jensen. „NRW war bodenständiger unterwegs, hier wurde einfach gemacht.“

Ähnlich sieht es Oliver Steinki, einer der Gründer des Kölner Start-ups Fond Of, dem Bauherrn von „The Ship“. „In der Start-up-Szene des Rheinlands passiert schon viel. Aber in der Eigenvermarktung ist der Rheinländer etwas zurückhaltender als der Berliner“, sagt er. Da könne man sich noch etwas abschauen. „Wir wollen einen kleinen Beitrag leisten, dass Köln und das Rheinland mehr auf den Schirm kommen.“

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