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Ausgangssperre in Frankreich: Wenn der Kauf eines Baguettes zum Problem wird

Ausgangssperre in Frankreich : Wenn der Kauf eines Baguettes zum Problem wird

Für viele Franzosen ist der Gang zur Bäckerei ein tägliches Ritual, um sich frisches Baguette zu besorgen. Zum Ärger vieler Franzosen sieht die Polizei das allerdings nicht als Grund an, das Haus zu verlassen.

Die Franzosen haben eine besondere, innige Beziehung zu ihrem Baguette. Das Weißbrot mit der markanten Form hat den Status eines Kulturgutes, schmeckt allerdings nur frisch wirklich gut. So ist der Gang zur Boulangerie an der Ecke für viele Menschen ein tägliches Ritual. Doch die Corona-Krise bringt selbst diesen sensiblen Lebensbereich durcheinander. Wegen der Ausgangssperre dürfen die Franzosen ihre Häuser in diesen Wochen nur noch mit einem „motif d'urgence“ verlassen. Das Problem: Der Kauf eines Baguette ist in den Augen der Polizei keine dringende Angelegenheit.

Diese schockierende Erfahrung musste ein Mann aus Parmain im Département Val-d’Oise machen, weshalb er sich nun emotional auf der höchsten aller Palmen befindet. „Es ist eine Schande! Verwarnt zu werden, weil man ein Brot kauft!“ erklärte er gegenüber der Tageszeitung „Le Parisien“. Tags zuvor war er mit einem Baguette unter dem Arm aus der Bäckerei geschlendert und wollte sich gerade auf sein Fahrrad schwingen, als er von zwei Polizisten angehalten wurde. Auf seinem Ausgangsschein, den in Frankreich jeder ausfüllen muss, der in diesen Tagen das Haus verlässt, hatte er bei „Grund der Reise“ korrekt angekreuzt: Einkäufe. Die Beamten erklärten ihm, dass man wegen eines Baguettes nicht das Haus verlassen dürfe und brummten ihm eine Strafe in Höhe von 135 Euro auf.

In Sanary-sur-Mer in der Nähe von Toulon sind einige Bürger auf die Barrikaden gestiegen, weil sie aus demselben Grund verwarnt worden sind. Doch der Bürgermeister Ferdinand Bernhard verteidigt das rigide Vorgehen. „Wenn jeder wie üblich jeden Tag rausgeht, um Brot zu kaufen, multipliziert man das Risiko für sich und seine Umwelt, sich anzustecken“, beharrt er. Sein Vorschlag: Man könne ja auch gleich das Baguette für seine Nachbarn einkaufen.

„Wir haben in Sanary-sur-Mer alle Geschäftsleute, Polizisten und auch das Pflegepersonal mit Masken ausgestattet“, erklärt Ferdinand Bernhard weiter, „wir versuchen die Gefahr einer Übertragung zu minimieren und daran müssen sich eben alle halten.“ Und der Bürgermeister unterstreicht, dass das Geld, das mit den Strafen eingenommen wird, in diesem Fall direkt an die Krankenhäuser in der Region fließen. Es komme also einem sehr guten Zweck zugute.