Analyse zum Osterfest: Welche Bedeutung haben Feiertage noch?

Analyse zum Osterfest : Welche Bedeutung haben Feiertage noch?

Das Osterfest beschert vielen ein langes Wochenende. Doch welche Bedeutung haben die freien Tage noch in unserer Gesellschaft? Und wie stehen die Menschen zu muslimischen oder jüdischen Feiertagen? Eine Analyse.

Ostern, Weihnachten, Pfingsten – kalendarische Orientierungspunkte, die das Jahr von der Schulzeit bis ins Rentenalter gliedern. Feiertage scheinen wie gesetzt, als habe es sie schon immer gegeben. Zwar fußen Feiertage meist auf Jahrhunderte alten Traditionen und Bräuchen, doch einen Anspruch auf Ewigkeit haben sie nicht. Wie andere Lebensbereiche unterstehen auch sie einem sich stets wandelnden Zeitgeist. Ein Beispiel ist der Internationale Frauentag am 8. März, der seit diesem Jahr ein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag in Berlin ist. Er zeigt, dass Feiertage eben maßgeblich durch gesellschaftliche Debatten beeinflusst werden.

So liegt die Frage nahe, ob die rot-rot-grüne Mehrheit im Berliner Abgeordnetenhaus dem 8. März auch ohne die vorangegangene Me-too-Debatte den Vorzug gegeben hätte. Die Opposition hatte sich gegen den Frauentag und für den Reformationstag am 31. Oktober ausgesprochen. Dieser wiederum ist erst seit 2018 nicht mehr nur in den ostdeutschen, sondern auch in den norddeutschen Bundesländern Feiertag. Wann die Arbeit ruht und die Geschäfte geschlossen bleiben, ist also ebenso dem politischen Willen unterworfen wie andere gesetzgeberische Verfahren auch.

Weniger Ablehnung in NRW

Insofern ist es offen, ob nicht auch andere – religiös, kulturell oder politisch begründete – Feiertage neu dazukommen oder andere ersetzen könnten. Eine jüngst veröffentlichte Studie der Robert-Bosch-Stiftung zeigt, wie die Bevölkerung dazu steht: Nur ein Drittel der Befragten sagt, dass gesetzliche Feiertage zu Festen anderer Religionen eingeführt werden sollten, 65 Prozent sprechen sich dagegen aus. Etwas anders ist allerdings die Lage in Nordrhein-Westfalen: Hier fällt die Ablehnung relativ gering aus. Verglichen mit 77 Prozent in Sachsen-Anhalt sprechen sich in NRW deutlich weniger, nämlich 59 Prozent der Menschen, gegen nicht-christliche religiöse Feiertage aus.

Die Studie bettet die Frage nach den Feiertagen in einen allgemein „nicht immer wertschätzenden und respektvollen“ Umgang insbesondere mit dem Islam und dem Judentum ein. Konkret: Anfeindungen gegenüber Juden nähmen wieder zu, Vorbehalte gegenüber dem Islam seien besonders groß. Dass Feiertage dieser Religionen eher abgelehnt werden, überrasche da kaum.

Welche Ansprüche stellt die Gesellschaft?

Letztlich stellt sich auch die Frage, welche Ansprüche die Gesellschaft an gesetzliche Feiertage setzt. Sollen sie die kulturelle Prägung der Mehrheitsgesellschaft repräsentieren? Wenn ja, müsste man die Häufigkeit christlicher Feiertage als völlig überzogen disqualifizieren: Von elf Feiertagen in NRW sind lediglich drei weltlichen Ursprungs: Neujahr, der Tag der Arbeit und der Tag der Deutschen Einheit. Mit den mittel- und langfristigen Tendenzen der Säkularisierung passt das jedoch wenig zusammen. Hinzu kommt, dass es immer mehr Atheisten gibt und auch andere religiöse Orientierungen an Bedeutung gewinnen. Freikirchen, jüdische und muslimische Gemeinden sowie Buddhisten, Hindus und Jesiden werden in der Gesellschaft immer sichtbarer.

Was spricht also dagegen, einen beweglichen Feiertag zum Abschluss des Fastenmonats Ramadan zuzulassen? Oder auch in Deutschland mit dem jüdischen Feiertag Jom Haschoa der Opfer der Schoa und der Widerstandskämpfer zu gedenken? Oder den Tag des Grundgesetzes am 23. Mai als festen arbeitsfreien Feiertag einzurichten? Einige fremdeln vielleicht mit neuen Feiertagen, deren Hintergrund ihnen nichts bedeutet und die sie persönlich nicht feiern. Dann aber muss man sich auch fragen: Was bedeutet mir eigentlich der Hintergrund von Pfingstmontag? Oder feiere ich die freien Tage, wie sie fallen?

Dass zumindest legt der mit Abstand häufigste Feiertag nahe – der sogenannte Tag des Herrn, der Sonntag also. Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer an diesem Festtag sinkt beständig. Natürlich steht der Sonntag nicht zur Disposition. Aber er zeigt, dass der Grund für freie Tage oft nicht mehr bekannt ist, geschweige denn gelebt wird.

Dauer der Hochfeste wird diskutiert

Das ist auch bei den drei christlichen Hochfesten so. Zu Weihnachten sind die Gotteshäuser weiterhin gut besucht. Mit einer derart frohen Resonanz dürfen die Messen in der Osternacht und zu Pfingsten nicht mehr rechnen. Unsere drei Hochfeste sind – selbst in unserer säkularen Gesellschaft – unfraglich. Nicht aber ihre Dauer, und darüber wird tatsächlich diskutiert. Was zum Beispiel ist mit dem zweiten Weihnachtsfeiertag, dem Oster- und dem Pfingstmontag?

Das eigentliche Heilsgeschehen ist am dritten Tag von allen drei Festen vollzogen: Jesus wird in der Nacht zu Weihnachten geboren, in der Osternacht wird seine Auferstehung gefeiert und zu Pfingsten die Ausgießung des Heiligen Geistes. Das Wesentliche ist geschehen. Der dritte Feiertag unterstreicht vor allem die Bedeutung der Hochfeste.

Was aber, wenn niemand mehr davon Kenntnis hat und erst recht keine Kenntnis davon nimmt? Feiertage ohne Feiernde? Allerdings bleibt zu bedenken: Die Spuren christlichen Glaubens werden mit der Aufkündigung von freien Festtagen weiter in der Gesellschaft verwischt – bis zur drohenden Unsichtbarkeit.