Walgefängnis in Russland: Beluga- und Orca-Wale werden an der Pazifikküste befreit

Tierschutz im Pazifik : Wie in Russland Wale aus ihrem Gefängnis befreit werden

Die Auswilderung von rund 100 Walen an der Pazifikküste von Russland läuft besser als gedacht. Aber die Zeit drängt.

Das „Walgefängnis“ an der russischen Pazifikküste leert sich. Mehrere Dutzend Beluga- und Orca-Wale sind seit Juni ausgewildert worden. Sie fühlen sich in freier Natur wesentlich besser, als Tierschützer befürchtet hatten. Aber wenige Wochen vor dem Wintereinbruch sind noch 50 Belugas in Unfreiheit.

„Alexandra“ galt als Sorgenkind. Das Orca-Weibchen verschwand nach seiner Freilassung am Kap Perowski nicht mit seinen älteren Artgenossen im offenen Pazifik. „Alexandra“ tauchte vor Fischerbooten auf, ließ sich füttern und streicheln. Im Internet hagelte es Kritik. „Kein Rehabilitierungsprogramm kann wilde Tiere, in deren Leben sich der Mensch eingemischt hat, der Natur zurückgeben“, schimpfte der Umweltaktivist Bacht Mawlanow. „Man hat sie einem qualvollen Tod ausgeliefert.“

Putin schwärmte von der „Weltsensation“

Mitte Juni hatten Staatsreporter während einer TV-Lifeshow mit Wladimir Putin eine „Weltsensation“ verkündet: Man wolle alle Meeressäuger aus dem „Walgefängnis“ in der russischen Pazifik-Bucht Srednjaja bei Nachodka auswildern.Etwa 100 Belugas und Orcas waren seit Herbst 2018 in mehreren tennisplatzkleinen Schwimmgehegen bei Nachodka eingepfercht. Privatfirmen hatten die Meeressäuger gefangen, um sie an ausländische Aquarien zu verkaufen. Dann machte der Kreml auf „Free Willy“. Die ersten Tiere wurden 1800 Kilometer über Land ans Kap Perowski in der Sachalin-Bucht des Pazifiks geschafft und dort ohne weitere Vorbereitung ausgesetzt. Obwohl Walexperten einen stressfreieren Transport auf dem Seeweg gefordert hatten und mehrere Wochen Adaption in größeren Gehegen am Kap Perowski, damit die Tiere sich vom Menschen und Füttern entwöhnen und zu Jagdteams zusammenfinden könnten. „Nicht befreit, sondern hinausgeworfen“, schimpfte das Wahlschutzbündnis „Freiheit für Orcas und Belugas“.

Der Zorn der Tierschützer hat sich gelegt. „Es läuft alles ziemlich gut“, sagt Dmitri Lisizyn von der Gruppe Ekowachta Sachalina über die Auswilderung, die das „Allrussische Institut für Fischwirtschaft und Ozeanologie“ (russisch kurz WNIRO) organisiert. „Die Wale bewegen sich sehr aktiv im Meer, sie haben sich angepasst.“

Zehn Orcas und 26 Belugas wurden ausgewildert

„Die Tiere sind in ihre wilden Familien zurückgekehrt oder jagen selbstständig“, teilte WNIRO-Pressesprecher Alexei Smorodow mit. Dabei legten sie große Entfernungen zurück, was eine gute körperliche Verfassung belege. Das bestätigten auch die Satelliten-Sonden, mit denen die Experten einen Teil der freigelassenen Meeressäuger versehen haben.

Noch im September zeigten die Sonden, dass „Alexandra“ sich zwei anderen Weibchen angeschlossen hatte und mit ihnen im fischreichen Archipel Schantarski unterwegs war. Dort beobachtete der Walexperte Grigori Zidulko von Greenpeace auch einen anderen ausgewilderten Killerwal, der sich einer fremden Orca-Familie angeschlossen hatte. „Sie jagten gemeinsam und das erfolgreich, sie erbeuteten zwei Robben.“

Bisher hat man alle zehn Orcas und 26 Belugas ausgewildert, Elf weitere Belugas sind zurzeit auf dem Seeweg in die Sachalin-Bucht.

Der Winteranfang droht

Das staatliche Institut setzt jetzt eigene Forschungsschiffe ein, die schon 25 Beluga-Wale ins Ochotsker Meer transportiert haben, wo auch ihre leiblichen Familien leben. „Das WNIRO tut, was es kann“, sagt Zidulkos Greenpeace-Kollege Oganes Targuljan. Die Tiere hätten bewiesen, dass sie in der freien Wildbahn überleben können, urteilen die Ökologen.

Aber noch verharren 50 Belugas in der Srednjaja-Bucht. Sie sollen bis zum Winteranfang ausgewildert werden. Bei Minusgraden drohen den Tieren nach Einschätzung der Walschützer in den Transportwannen und beim Verladen Erfrierungen. Nach Ansicht der Ökologen müsse man sehr schnell handeln, um die Wale noch freizulassen.

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