Schrubben im Wettbewerb: Vorhang auf für junge Putzkräfte

Schrubben im Wettbewerb : Vorhang auf für junge Putzkräfte

Großer Auftritt für acht Nachwuchshandwerker: In einem Theater treten die Gesellen zum bundesweiten Wettbewerb an - im Putzen.

Tief beugt sich Angelo Scholz über das Toilettenbecken, wischt hier nach und schrubbt dort mit Lappen und Bürste. Schließlich knipst er eine kleine Taschenlampe an und prüft wie ein Detektiv die glänzende Keramik. "Damit siehst du jede Schliere", verrät der junge Mann aus Schleswig-Holstein.

Scholz gehört zu Deutschlands besten Gebäudereiniger-Gesellen. Am Donnerstag treten acht Nachwuchshandwerker im Mecklenburgischen Staatstheater Schwerin zum Bundesleistungswettbewerb im Putzen an.

Die Prüfungsaufgaben in dem um 1886 errichteten Theatergebäude haben es in sich. Im Foyer ist ein Natursteinboden zu wienern, wie Jury-Vorsitzender René Frackowiak aus Düsseldorf erklärt.

Dafür gehen die jungen Profis nur mit Wasser, keinesfalls mit scharfer Chemie zu Werke. Mit Diamant-Schleifpads diverser Härtegrade polieren sie die edlen Böden rein mechanisch auf Hochglanz. Beim Wettbewerb sei die Qualität ausschlaggebend, nicht die Quantität, sagt Meister Frackowiak. "Gute Arbeitsorganisation entscheidet."

Neben Böden und Sanitärräumen nehmen sich die Gesellen auch die Außenfenster des Kulissenhauses vor. "Die wurden seit Jahren nicht mehr von außen saubergemacht", vermutet Frackowiak. Daher solle sogenanntes Bims-Mehl, ein Steinpuder, zum Tiefenputz eingesetzt werden. Gesellin Ronja Leske aus Hamburg zeigt Respekt vor dem Glas. Auf einer Arbeitsbühne fuhr sie hoch hinauf zum Einsatzort. "Steuern und putzen gleichzeitig, das ist schon eine echte Herausforderung."

Eingetrocknete Farbkleckse fachgerecht wegzuputzen, das sei richtig schwierig

Ihre Lieblingsobjekte seien richtig verschmutzte Toiletten und Bäder, sagt die Hamburgerin. "Da sieht man hinterher das Ergebnis am besten." Ärgern würde sie sich weniger über unordentliche Menschen, sondern vielmehr über unsauber arbeitende Maler. Eingetrocknete Farbkleckse fachgerecht wegzuputzen, das sei richtig schwierig.

Prüferin Michaela Witzany-Wokalek, Meisterin aus München, warnt generell vor zu viel Putzmitteln. "Man muss ja nicht mit Kanonen auf Spatzen schießen!" Um Materialien und Umwelt zu schonen, müssten chemische Reinigungsmittel stets wohldosiert werden. Zum Untersuchen der Putzergebnisse setze sie wie ein Zahnarzt auf einen Spiegel. "Damit gucke ich um die Ecken."

Beim großen Theater-Putz in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt geht es darum, junge Gesellen in ihrer beruflichen Entwicklung zu fördern und zu motivieren. Sie waren seit diesem Sommer in Länderrunden bestimmt worden. Der Bundesinnung zufolge verwenden die Sieger des jährlichen Bundeswettbewerbs das Preisgeld von je 2500, 1500 oder 500 Euro meist als Startkapital für ihre Meisterausbildung.

Mit dem vor gut 50 Jahren initiierten Wettbewerb solle das Handwerk an besonders sehenswerten und zum Putzen anspruchsvollen Orten in seiner ganzen Bandbreite gezeigt werden. Austragungsorte waren etwa bereits der Zoo Hannover, der Hamburger "Michel", die Allianz-Arena München, die Dresdner Semperoper oder das Museumsschiff in Kiel.