Männertag: Vom kleinen großen Unterschied

Männertag : Vom kleinen großen Unterschied

Zum heutigen Männertag: Eine subjektive Betrachtung zum Thema "Gender-Studien" in Deutschland.

Ihr ausgeprägter Sinn für sehr feine Ironie ist der vielleicht am wenigstens gewürdigte Zug engagierter Frauenrechtlerinnen. Ganz zu Unrecht. Es hat schon was, wenn die deutschen "Spitzenfrauen-Verbände" (so bezeichnen sie sich selbst) das Bundeskabinett gestern schriftlich auffordern, ausgerechnet heute die Frauenquote für die Führungsetagen von Konzernen zu beschließen. Heute! Am internationalen Männertag!

Männertag. Was macht man(n) da eigentlich? Na klar, was Männer halt immer so machen, oder was Feministinnen so denken, was Männer so machen. Breitbeinig dasitzen eben, gönnerhaft einen Schluck auf die Emanzipation nehmen und ein paar Witzchen machen über die lustigen Auswüchse der Gleichstellungspolitik. Über Lann Hornscheidt zum Beispiel, Professorin an der Berliner Humboldt-Universität, die sich künftig mit "Professx" ansprechen lassen will. Die geschlechtsneutrale Form solle deutlich machen, dass es noch mehr gebe als Frauen und Männer.

Oder über den Berliner Bezirk Kreuzberg, in dem eine Frauenquote für Straßennamen gilt, die das Jüdische Museum zunächst daran hinderte, seinen Vorplatz nach dem jüdischen Philosophen Moses Mendelssohn zu benennen. Er heißt jetzt nach ihm und seiner Frau Fromet.

Kreuzberg? Richtig, das ist der Bezirk, der in öffentlichen Gebäuden auch Unisex-Toiletten eingeführt hat, für die große Zahl von Menschen, die sich beim drängenden Bedürfnis nicht zwischen den bisher üblichen Angeboten (immerhin zwei) entscheiden konnten. Können Männer darüber lachen? Sicher doch. Sie haben bei dem Thema sonst nicht mehr viel zu lachen. Keine Bundesbehörde ohne Frauenquote, keine Hochschule ohne Frauenförderplan, keine öffentliche Debatte ohne den politisch korrekten Bezug auf die "Gender-Problematik".

Womit wir beim Zauberwort sind, dem "Sesam-öffne-dich" für aufstiegsorientierte Frauen. Die Zauberformel heißt "Gender Mainstreaming ". Was keiner versteht, und das ist vielleicht nicht das schlechteste daran.

Gender - was ist das? Wer in Sachen Gleichberechtigung mitreden will, muss das wissen. Das Credo der "Gender-Studies" ist die Unterscheidung zwischen "sex" und eben "gender". Sex - das ist der nun mal nicht weg zu interpretierende Unterschied in der biologischen Ausstattung von Männern und Frauen. Er ist - unwichtig. Eine Unterscheidung so bedeutend wie eine Einteilung nach Haarfarbe oder Nasenlänge. Die eigentlichen Geschlechtsunterschiede sind dagegen sozial konstruiert, anerzogen, antrainiert, veränderbar. Männer und Frauen? Im Kern eine Konvention, eine Vereinbarung, ein auferlegter Zwang. Menschen haben vielfältigste sexuelle Orientierungen, und oft wechseln sie selbst in derselben Person. Einen prinzipiellen, wesensmäßigen Unterschied zwischen Mann und Frau gibt es nicht. Das ist die Gender-Theorie.

Und "Gender-Mainstreaming" ist die Umsetzung dieser, nun ja, wissenschaftlichen Theorie in handfeste Politik. Es ist im Artikel 8 des Lissabon-Vertrags europarechtlich bindend festgelegt. Es ist "durchgängiges Leitprinzip von Regierungshandeln", wie es auf einer Netzseite des Bundesbildungsministeriums heißt. In keinem gesellschaftlichen Bereich kommt die Umsetzung schneller voran als an den Hochschulen. Es gibt heute 215 Lehrstühle an Universitäten und Fachhochschulen, die sich mit "gender studies" beschäftigten. 66 akademische Zentren widmen sich Gender-Fragen.

Was machen all diese Forscherinnen? Der emeritierte Hannoveraner Ökonomie-Professor Günter Buchholz wollte das genau wissen. Er nahm sich den Evaluierungsbericht 2011 der niedersächsischen Wissenschaftskommission vor, der die Gender-Projekte der Universitäten des Landes untersuchen sollte. Über das Ergebnis war er überrascht. "Man erfährt nicht, woran gearbeitet wird", sagt Buchholz unserer Zeitung. Stattdessen gehe es über 80 Seiten darum, den Forschungsbetrieb noch effizienter finanziell abzusichern.

Das sechsköpfige Expertengremium, das die Evaluation vornahm, bestand aus sechs weiblichen Wissenschaftlern, die alle auch selbst über Gender-Fragen forschen. Buchholz: "Gender studies - das ist Forschung von Frauen über Frauen für Frauen." Da passt auch das gut ins Bild: Es gibt in Deutschland rund 2000 Gleichstellungsbeauftragte - bei Städten, Gemeinden, öffentlichen Verwaltungen. In NRW hatte ein Mann dagegen geklagt, dass seine Bewerbung gleich abgelehnt wurde, weil er keine Frau sei. Das Landgericht Arnsberg bescheinigte ihm, dass das auch so in Ordnung ist.

Professor Buchholz hat dann selbst einen Fragebogen entwickelt, um Antwort darauf zu bekommen, welches Selbstverständnis die Lehrstühle eigentlich haben, welche Themen sie beschäftigen. Er hat alle angeschrieben. Geantwortet hat niemand.

Der Münchner Pädagoge Clemens Schlegel forscht seit langem zum Thema Jungs in der Schule. Jungs werden werden häufiger verhaltensauffällig als Mädchen und wesentlich häufiger auf Sonderschulen abgeschoben. Was hat das mit der Gender-Theorie zu tun? Schlegel: "Das Dogma, dass Jungs falsche Rollenbilder nachahmen, schadet ihnen erheblich. Wissenschaftlich ist das längst nicht mehr haltbar. Nur sagen darf man es nicht laut."

Schlegel ist Schulpädagoge an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Er hält viele Vorträge über die Benachteiligung der Jungs. Als er in seinem Fachbereich einen Arbeitskreis dazu installieren wollte, stieß er auf Widerstand. "Das wurde abgebogen. Das Thema sollte erweitert, der Aspekt von den Jungs weggelenkt werden."

Eines noch: Gender Mainstreaming - was kostet das alles eigentlich? Unsere Zeitung hat beim Familienministerium nachgefragt. Offizielle Antwort: Gender Mainstreaming sei eine Querschnittsaufgabe. "Kein Ministerium und keine Bundesbehörde kann daher Gelder ausgeben, ohne diese Verpflichtungen zu beachten. Aus diesem Grunde ist es praktisch unmöglich, den Anteil am nationalen Haushalt zu berechnen."

Mehr von GA BONN