Feuer am Montag: Verschwörungstheorien rund um Brand von Notre-Dame

Feuer am Montag : Verschwörungstheorien rund um Brand von Notre-Dame

Nach dem Brand in der Notre-Dame-Kathedrale machen viele Falschmeldung über die Ursache die Runde. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Brand mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Renovierungsarbeiten ausgelöst wurde.

Das Feuer in Notre-Dame hat in der ganzen Welt Entsetzen ausgelöst. Die Ermittler gehen inzwischen davon aus, dass der Brand mit großer Wahrscheinlichkeit durch die Renovierungsarbeiten ausgelöst wurde. Doch weil dies noch immer nicht völlig geklärt ist, bietet das Unglück breiten Raum für Spekulationen. In diesem Fall sind es vor allem Vertreter des rechten politischen Spektrums, die sich in den sozialen Netzwerken zu Wort melden und versuchen, das Ereignis zu instrumentalisieren.

In Deutschland haben sich vor allem auch Vertreter der AfD hervorgetan, die Gerüchteküche in ihrem Sinne anzuheizen. So hat die AfD Solingen noch während die Flammen aus dem Dach der Kathedrale in Paris schlugen auf Facebook verkündet: „Würde wohl niemanden verwundern, wenn es ein Anschlag mit islamistischen Hintergrund wäre.“ Die Attacken auf „christliche Hoheitsabzeichen“ werde in den nächsten Jahren massiv zunehmen. Die Seite ist zwischenzeitlich nicht mehr erreichbar und nach Medienberichten sind Ermittlungen gegen die Aussage eingeleitet worden.

Aber nicht nur die Rechtspopulisten aus Solingen versuchen, das Unglück auszuschlachten. Alice Weidel, AfD-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, bringt offensichtlich zusammenhanglose Ereignisse in einen für sie gewinnbringenden Kontext. Der Brand in Notre-Dame wird von ihr in einem Atemzug mit einem Brand in der Kirche Saint-Sulpice genannt und dann spricht sie von einer zunehmenden Intoleranz gegenüber Christen in Europa.

In dieselbe Kerbe schlägt der russische Propagandasender RT und verbreitet seinerseits Halbwahrheiten und Gerüchten. Dort ist auf Facebook und Twitter zu lesen, dass der Brand nur die Fortsetzung einer Reihe von Angriffen auf christliche Kirchen in Frankreich sei. Der Sender nutzt den Brand aus, um seine Grundthese vom Verfall des guten Lebens in Europa zu untermauern.

Natürlich machen auch in Frankreich wilde Spekulationen über die Brandursache die Runde. Manche beschuldigen den Präsidenten Emmanuel Macron, er habe das Feuer legen lassen, um von den tiefgreifenden Problemen abzulenken, mit denen er gerade zu kämpfen hat. Andere erklären, die sogenannten Gelbwesten hätte das Feuer gelegt. Als ein Beweis dient ihnen ein kurzes, sehr unscharfes Video, das in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Darauf ist ein Mann in gelber Weste auf den Türmen von Notre-Dame zu sehen. Die Wahrheit: das ist ein Feuerwehrmann, der bei der Bekämpfung des Brandes hilft.

Auf einem anderen Foto ist offensichtlich die Silhouette eines Menschen auf dem Dach der brennenden Kirche zu erkennen. Manche Internet-Nutzer spekulieren, dass es sich dabei um einen Brandstifter handeln müsste. Doch die Wahrheit ist viel einfacher: es ist eine Statue.

Allerdings hat sich auch Youtube unfreiwillig an der Verbreitung von Verschwörungstheorien beteiligt. Kurz nachdem der Brand in Notre-Dame am Montag in den Abendstunden ausgebrochen war, verfolgten viele das Geschehen auf der Videoplattform. Das bemerkte natürlich auch der Bilderkennungsalgorithmus von Youtube und stellte ein Info-Fenster unter den Livestream, der auch von vielen TV-Stationen übertragen wurde.

Das Problem: Der Bilderkennungsalgorithmus hatte zwei Türme, blauen Himmel und Rauch erkannt und verknüpfte den Brand in Notre-Dame mit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York 2001. Eigentlich sollte die Bilderkennung zur Aufklärung dienen, so dass zum Beispiel Hassvideos, die Falschinformationen zu den Anschlägen in den USA verbreiten, immer automatisch mit Erklärungen und gesicherten Fakten versehen werden. In diesem Fall wurde aber genau das Gegenteil erreicht und eine Verbindung zwischen einem Unfall und einen Terroranschlag hergestellt. Dieser Fehler ist von Youtube inzwischen behoben.

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