Umstrittene Hochmoselbrücke ist fertig

160 Meter hoch : Umstrittene Hochmoselbrücke ist fertig

Die Hochmoselbrücke ist eine der größten Brücken Deutschlands - und das aktuell größte Brückenbauprojekt Europas. Jetzt ist das umstrittene Bauprojekt fertig. Unter ihr hätte sogar der Kölner Dom Platz.

Es sind die letzten weißen Markierungen, die noch auf der Fahrbahn in luftiger Höhe angebracht werden. Noch ein paar Mal hin und her, dann war es das: Die gigantische Hochmoselbrücke ist nach rund acht Jahren Bauzeit fertig. 1,7 Kilometer lang und bis zu 160 Meter hoch spannt sich das Mega-Bauwerk zwischen Ürzig und Rachtig (Kreis Bernkastel-Wittlich) über das Moseltal.

Mit dem letzten aufgespritzten Weiß geht das aktuell größte Brückenbauprojekt in Europa zu Ende: „Ich freue mich jetzt auf die Verkehrsfreigabe. Dass dann das Produkt genutzt werden kann und man sieht, woran die ganzen Jahre gearbeitet worden ist“, sagt der Bauaufseher beim Landesbetrieb Mobilität Rheinland-Pfalz, Christoph Schinhofen, an der Baustelle.

Nur noch eine Woche, dann werden die Autos über die Mega-Brücke rollen. Die Verkehrsfreigabe ist nach einer „Jungfernfahrt“ eines Konvois mit Politikern für den Nachmittag des 21. Novembers geplant. Dann steht das, was bei den langjährigen Planungen des Neu- und Ausbaus der B50 immer das Ziel war: Eine direkte Straßenverbindung zwischen den Benelux-Staaten und dem Rhein-Main-Gebiet. Die Kosten des gesamten Projektes belaufen sich auf mindestens 483 Millionen Euro, auf die Brücke entfallen rund 175 Millionen Euro.

Restarbeiten stehen an

Unternehmen in der Region stehen schon in den Startlöchern. Wie Geschäftsführerin Birgit Steil von der Firma Steil Kranarbeiten in Trier. „Wir erhoffen uns einen ganz großen Vorteil, weil wir kürzere Fahrwege haben“, sagt sie. Das bedeutet weniger Treibstoff, weniger Kosten und weniger Zeit. „Wir sparen mindestens eine halbe bis eine Stunde bis Frankfurt.“ Mit Blick auf den Brückenbau haben die Steils im nahe gelegenen Wittlich-Wengerohr bereits eine größere Niederlassung gebaut - mit zehn Kranen. „Wir werden bestimmt mit bei den ersten sein, die über die Brücke fahren.“

Bevor es losgeht, stehen noch ein paar Restarbeiten unter der Brücke an. „Das ist wie wenn man ein Haus gebaut hat. Dann muss man auch noch im Keller aufräumen“, sagt Schinhofen. Nur kleine Arbeiten, wenn man zurückblickt. An der Brücke wurde seit 2011 gebaut, seit Sommer 2014 entstand in insgesamt 13 „Verschüben“ von großen Stahlträgern über die zehn Pfeiler der Überbau.

Im August vergangenen Jahres gelang dann der Brückenschlag - von der Seite des Hunsrücks zur Eifelseite. Zuletzt folgten Asphaltarbeiten und Beschilderungen. Im Überbau der Brücke stecken 32 500 Tonnen Stahl, in den Unterbauten mit Pfeilern knapp 40 000 Kubikmeter Beton. „Natürlich ist auch ein bisschen Wehmut mit dabei“, sagt Schinhofen zum Ende. „Es war immer spannend.“

Gemeinden laden zu Bürgerfest ein

An diesem Samstag (16. November) wird erstmal gefeiert: Mit dem LBM laden die umliegenden Gemeinden zu einem Bürgerfest ein. Dann soll in 160 Metern Höhe bei Kartoffelsuppe und einem Gläschen Wein auf das Ende der Bauarbeiten angestoßen werden. Es sei eine einmalige Sache, sagt die Ortsbürgermeisterin von Zeltingen-Rachtig, Bianca Waters (parteilos): „Danach wird es nie mehr die Möglichkeit geben, dass Fußgänger da drauf können.“ Hunderte werden erwartet - auch weit über die Region hinaus. „Wir hatten Anfragen quer aus Deutschland.“

Nicht allen jedoch wird zum Feiern zumute sein: Denn die gigantische Brücke war seit ihrer Planung umstritten. Kritiker bemängelten, dass das Mega-Bauwerk das idyllische Landschaftsbild des Moseltals zerstöre. „Die Brücke baut das Tal nicht zu“, sagt Schinhofen. Sie sei extra „so transparent wie möglich“ gebaut worden: mit großen Abständen zwischen schlanken Pfeilern und einem schlanken Überbau.

Die Brücke habe viel mit Gegenwind zu kämpfen gehabt, sagt der Ingenieur. Mittlerweile sei aber „im unmittelbaren Umfeld der Brücke festzustellen, dass da regelrecht eine Begeisterung gewachsen ist.“ Das zeige sich auch im Bürgerfest auf der Brücke. Die Brücke, die man im Moseltal aus vielen Kilometern Entfernung sieht, wird bundesweit die Nummer zwei sein. Nur noch die Kochertalbrücke (maximale Höhe 185 Meter) in Baden-Württemberg sei höher.

Sorge um Standfestigkeit

Sorgen gebe es aber nach wie um die Standfestigkeit der Brücke auf der Eifeler Seite, sagt Ortsbürgermeisterin Waters. „Es hört sich nach den Ausführungen der Experten sicher an. Die Frage ist aber, ob es wirklich sicher ist.“ Vor Jahren hatte man in 22 Metern Tiefe Erdverformungen von rund 0,6 Millimetern pro Jahr festgestellt. Um Bedenken auszuräumen, wurden dort sechs unterirdische Betonsäulen gebaut - als zusätzlichen Schutz für den Fall, dass es irgendwann einmal erneut zu Bewegungen am Hang kommt.

Insgesamt freuten sich die Moselaner nun auf den Startschuss, sagt Waters. „Dann kommt endlich der Schwerlastverkehr raus aus dem Moseltal. Das wird auf jeden Fall ein Vorteil für uns sein.“ Und: Man braucht bei Tempo 100 nur noch eine Minute, um von der einen Seite zur anderen zu kommen.

Steil Kranarbeiten

Bürgerinitiative Pro Mosel

B50 neu Hochmoselübergang

(dpa)
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