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SpaceX Starlink: Satelliten erscheinen wie Lichterkette am Himmel

Phänomen am Nachthimmel : Was es mit der „Lichterkette“ am Himmel über Bonn auf sich hat

Nicht zum ersten Mal ist dieser Tage ein kurioses Phänomen am Nachthimmel zu beobachten. Helle Punkte ziehen dort in einer Reihe entlang. Um Flugzeuge, Sterne oder gar Ufos handelt es sich aber nicht.

Zum mittlerweile sechsten Mal wurde am 18. März eine Rakete mit einer Reihe an Satelliten des „Starlink“-Projektes durch die US-Weltraumfirma SpaceX ins All geschossen. Obwohl diese Starts regelmäßig von einem gewissen Medienecho begleitet werden, wirkt das Spektakel am Firmament schließlich unwirklich und begeistert Hobby-Astronomen wie spontane Beobachter. Am Samstag- und Sonntagabend zog die Satelliten-Kette auch über den Himmel Bonns und der Region und wird am Montagabend ab etwa 20.42 Uhr für sechs Minuten aus Westen kommend erneut zu sehen sein.

So kontaktierte zum Beispiel auch Leserin Sandra Bläser aus Königswinter den GA am Samstagabend über Facebook und hielt die unbekannten Flugobjekte zunächst für Flugzeuge. Eine Defender 20 könne es allerdings nicht sein, denn die seien bereits im Osten, teilte sie schon fachkundig mit. 40 bis 50 habe sie zählen können. Tatsächlich wurden insgesamt 60 Satelliten in der letzten Runde in eine Umlaufbahn befördert.

Die Bonner scheinen allerdings so vernünftig, die Polizei derzeit nicht zwingend mit unnötigen Sorgen zu belasten. Zwar habe es natürlich auch am Wochenende Anrufe gegeben, die in der Datenbank unter „verdächtige Feststellungen“ geführt würden. Der Sichtung eines Flugobjektes könne davon allerdings keine zugeordnet werden, erklärt Polizeisprecher Simon Rott auf GA-Anfrage.

<aside class="park-embed-html"> <blockquote class="twitter-tweet"><p lang="en" dir="ltr">Successful deployment of 60 Starlink satellites confirmed <a href="https://t.co/GZq8sUQ2TP">pic.twitter.com/GZq8sUQ2TP</a></p>&mdash; SpaceX (@SpaceX) <a href="https://twitter.com/SpaceX/status/1240254931338031105?ref_src=twsrc%5Etfw">March 18, 2020</a></blockquote> <script async src="https://platform.twitter.com/widgets.js" charset="utf-8"></script> </aside>
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Die Starlink-Objekte werden wie andere Satelliten oder die Internationale Raumstation ISS durch die Sonne angestrahlt und leuchten dann am Nachthimmel. Die Perlenketten-Struktur der Starlink-Satelliten löse sich mit der Zeit auf, sagte ein Sprecher des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) bereits im Januar zum Start der Starlink-Satelliten der Deutschen Presseagentur (dpa). Wenn sie in eine höhere und damit größere Umlaufbahn kämen, werde die Kette schon automatisch auseinander gezogen. Derzeit gibt es noch einige, die im Abstand von 15 Sekunden über dem Westhorizont auftauchen, andere haben schon einen zeitlichen Abstand von mehreren Minuten. Wo sich Starlink-Satelliten gerade befinden, lässt sich auf Webseiten wie findstarlink.com oder heavens-above.com herausfinden.

„Die Satelliten befinden sich nach dem Start relativ eng beieinander, sehr niedrig und deswegen sehr auffallend für gelegentliche Beobachter“, erklärte Rainer Kresken von der Starkenburg-Sternwarte im hessischen Heppenheim der dpa.

Die ungewöhnliche Lichterkette am Himmel sei für viele Menschen irritierend, sagte im Januar Hansjürgen Köhler vom Centralen Erforschungsnetz außergewöhnlicher Himmelsphänomene (Cenap) - einem privaten Zusammenschluss zur Aufklärung ungewöhnlicher Himmelserscheinungen - gegenüber der Agentur. Die Hotline der Meldestelle stehe an manchen Abenden kaum mehr still, es gebe bis zu 60 Anrufe.

Seit Februar 2018 wurden mehr als 360 solche Satelliten ins All geschossen, knapp 300 umkreisen nun die Erde. Insgesamt sind 12.000 oder mehr geplant. Sie sollen später einmal eine Art Netz um die Erde bilden.

Starlink ist ein Projekt des US-Unternehmens SpaceX von Tesla-Chef Elon Musk. Ziel des milliardenschweren Programms ist es, sowohl entlegene Gebiete als auch Ballungszentren mit schnellem und preiswertem Breitband-Internet zu versorgen.

Die jeweils über 200 Kilogramm schweren Satelliten sollen Daten von Bodenstationen bekommen und untereinander mit Hilfe von Lasern weiterleiten. Sie sollen in relativ niedrigen Umlaufbahnen fliegen und im Vergleich zu klassischer Satelliten-Kommunikation deutlich kürzere Verzögerungszeiten bieten. Astronomen kritisieren, dass irgendwann mehr Satelliten als Sterne am Nachthimmel zu sehen sein könnten.

(mit Material von dpa)