Skandal in den Vereinigten Staaten: So liefen die Bestechungsfälle an US-Universitäten

Skandal in den Vereinigten Staaten : So liefen die Bestechungsfälle an US-Universitäten

William Singer soll Teenagern aus reichen Familien die Aufnahme an Eliteunis ermöglicht haben. Dazu bestach er mit verschiedenen Methoden Mitarbeiter. Der Skandal erschüttert derzeit die Universitätswelt in den USA.

William McGlashan sollte aus seinem Sohn einen vielversprechenden Footballspieler machen, um ihn der University of Southern California (USC), einer Spitzenuniversität, zu empfehlen. So hatte es William Singer empfohlen, der Berater, der durch hohe Erfolgsquoten glänzte. Das Problem war nur, dass McGlashan junior nicht Football spielte. Also beschloss Singer, ihn mithilfe einer Fotomontage zu einem Kicker zu machen, zu einem jener Athleten, deren Aufgabe es ist, den Ball durch die Torstangen zu schießen. Der Mann, der das größte Trainingscamp für Kicker leite, sei im Übrigen ein guter Freund, fügte Singer hinzu, als er McGlashan das Prozedere erklärte.

McGlashan, der mit der Rocklegende Bono den Rise Fund gegründet hatte, einen Fonds, der sich auf umweltbewusstes Investieren spezialisiert, ließ sich den Trick eine Viertelmillion Dollar kosten. Er ist einer von 50 wohlhabenden Amerikanern, gegen die das Justizministerium in Washington Klage erhoben hat. Die Schauspielerinnen Felicity Huffman und Lori Loughlin gehören ebenso zu dem Kreis wie Gordon Caplan, Partner einer renommierten New Yorker Anwaltskanzlei. Insgesamt 25 Millionen Dollar soll Singer kassiert haben, um Teenager an Universitäten mit klangvollen Namen unterzubringen.

Mal bestach er Pädagogen, die bei Prüfungen Aufsicht führten, damit sie im Nachhinein falsche Antworten korrigierten. Mal kungelte er mit Trainern, wenn es darum ging, vermeintlich hochbegabte Nachwuchskräfte an ein College zu holen. Für sportliche Ausnahmetalente legen Hochschulen die Latte oft niedriger. Uni-Mannschaften, die in der Spitze mitspielen können, sind eine Sache des Prestiges, und wer sie zu verstärken verspricht, für den gelten besondere Regeln. Es ist die Nische, auf die Singer sich spezialisierte.

Kriminelle Auswüchse der Leistungsgesellschaft

In Newport Beach, im Vorortgürtel um Los Angeles, gründete er ein Consultingunternehmen, das Schüler sowohl auf das Examen vorbereitete als auch auf das Aufnahmeverfahren einer Uni. Sein Talent, so setzte er es Spitzenanwalt Caplan auseinander, bestehe im Aufschließen von Seitentüren. Zum einen gebe es den Vordereingang, erläuterte er sein Konzept. Durch den könne gehen, wer durch Leistungen überzeuge. Zum anderen den Hintereingang, gedacht für die Kinder von Leuten, die einem College sehr viel Geld spenden, etwa für ein modernes Labor oder einen neuen Hörsaal. Was er benutze, sei die Seitentür, zehnmal billiger als der Hintereingang.

McGlashan junior, der vermeintliche Kicker, gilt nun als Symbol für all die privilegierten Kinder in einem Land, in dem sich Bildung und damit auch Karrierechancen erkaufen lassen. Es handelt sich um den größten Bestechungsskandal der Uni-Geschichte der Vereinigten Staaten. Nur sind es eben, so sieht es der Journalist Daniel Golden, lediglich die kriminellen Auswüchse einer Praxis, die es hinter der Fassade der Leistungsgesellschaft schon länger gibt.

Wie es hinter den Kulissen aussieht, hat Golden schon vor Jahren in dem Buch „The Price of Admission“ beschrieben. Al Gore etwa, der Vizepräsident an der Seite Bill Clintons, brachte all seine vier Kinder in Harvard unter, an der Uni, an der er selbst studiert hatte und die einem Mächtigen gern einen Wunsch erfüllte. Oder Jared Kushner, heute Donald Trumps Schwiegersohn: Zur Überraschung seiner Lehrer durfte auch er trotz mäßiger schulischer Leistungen in Harvard studieren. Sein Vater Charles, ein Immobilienunternehmer, hatte der Ivy-League-Universität zuvor eine Spende in Höhe von 2,5 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. Der Gang durch die Hintertür, wie William Singer es nennen würde.

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