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Sommerzeit endet am Wochenende: Schäfchenzählen bringt bei Schlafstörungen gar nichts

Sommerzeit endet am Wochenende : Schäfchenzählen bringt bei Schlafstörungen gar nichts

Die gute Nachricht für alle, die wegen der anstehenden Zeitumstellung Probleme beim Schlafen haben, zuerst: Nach einem Tag ist der Spuk wieder vorbei.

Das lässt vor allem diejenigen hoffen, die sich schlaftechnisch schwertun, wenn die Uhren umgestellt werden. Am frühen Sonntagmorgen ist es wieder soweit. Die Uhren werden um eine Stunde zurückgestellt. Dann gibt es sozusagen die eine Stunde zurück, die uns Ende März mit dem Einzug der Sommerzeit gestohlen wurde.

Für alle, die unter Schlafproblemen leiden, hat Dr. Michael Abele, Facharzt für Neurologie und Schlafmedizin in Rheinbach und einer der Leiter des Schlaflabors Bonn im St.-Marien-Hospital , einen Ratschlag parat: "Morgens nach dem Wachwerden aufstehen und nicht liegen bleiben und dösen!"

Schlafstörungen bei vielen Menschen haben laut Abele aber andere Ursachen als die Zeitumstellung. So wirkten sich zum Beispiel Atmungsschwierigkeiten negativ auf den Schlaf aus. Prinzipiell rät der Arzt dazu, einen geregelten Schlafrhythmus zu pflegen, bei Schlaflosigkeit aufzustehen und solange etwas tun, gerne auch bügeln oder lesen, bis sich das Schlafbedürfnis wieder bemerkbar macht.

Schäfchenzählen im Liegen bringe nichts, auch ein Gläschen Rotwein sei nicht geeignet als Schlafmittel. "Ganz im Gegenteil: Alkohol macht eher wach." Auch sollte die letzte und am besten leichte Mahlzeit vor dem Zubettgehen mindestens zwei Stunden zurückliegen.

Blaulichtlampe kann helfen

Wenn das alles nichts hilft, gilt es etwa über vier Wochen ein genaues Schlafprotokoll zu führen und einen Experten aufzusuchen.

Simuliertes Tageslicht wie eine Blaulichtlampe kann helfen. Aber grundsätzlich sei Bewegung draußen an frischer Luft sinnvoller und sorge wie sportliche Betätigung am Abend für eine echte Entspannung des vegetativen Nervensystems - "und das viel besser als der Versuch, abends auf dem Sofa vor dem Fernseher abzuschalten".

Abele sieht in der Zeitumstellung auf die Normalzeit (MEZ = Mitteleuropäische Zeit, von 3 auf 2 Uhr) nur ein kleines Problem und gibt denjenigen, deren Schlaf deshalb leidet, auf den Weg, stets nachmittags eine Weile das Tageslicht zu nutzen und sich an frischer Luft zu bewegen. "Denn selbst an einem bewölkten Herbsttag ist es draußen immer noch zehnmal heller als in einem normal beleuchteten Zimmer. Ein sonniger Sommertag ist sogar zwanzigmal heller als ein gut ausgeleuchtetes Büro."

Prinzipiell macht laut Abele die Umstellung auf die Sommerzeit Ende März mehr Menschen Schwierigkeiten. Wie auch eine Fernreise gen Westen, etwa in die USA , weit weniger Auswirkungen auf den Körper und das Schlafverhalten habe als ein längerer Flug Richtung Osten. "Das hängt mit der inneren Uhr zusammen", so der Fachmann. Vor allem diejenigen, die spät "in die Gänge kommen und vor allem spät fit sind", die sogenannten Eulen, fühlen sich betroffen.

Mehr Eulen als Lerchen

Und die sind häufiger vertreten als die Frühaufsteher, die Lerchen. Was auch altersabhängig sei. Insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene zählen zu den Eulen. Kleine Kinder und ältere Menschen gehören eher zu den Lerchen.

Ein geregelter Wach-Schlaf-Rhythmus ist für Schichtarbeiter allerdings ein Wunschtraum. "Schichtdienste und Schlafstörungen gehören zusammen", sagt der Facharzt. "Denen ist normalerweise nicht beizukommen." Letztlich sei es oft die einzige Lösung, keine Schichtarbeit mehr zu machen.

Auch Tiere leiden mal mehr, mal weniger unter dem zweimaligen Mini-Jetlag im Jahr. Sie müssen ihre innere Uhr ebenso anpassen an die veränderten Fütterungs- oder Melkzeiten.

Übrigens: Ab Ende März 2015 ist in Deutschland wieder die Sommerzeit angesagt.