Meister der Geometrie: Promi-Geburtstag vom 12. Oktober 2019: Richard Meier

Meister der Geometrie : Promi-Geburtstag vom 12. Oktober 2019: Richard Meier

Die preisgekrönte Architektur von Richard Meier folgt im Grunde auch einer philosophischen Sicht auf die Natur: „Weiß ist die wunderbarste Farbe, denn in ihr kann man alle Farben des Regenbogens sehen“, sagte er in seiner Rede bei der Verleihung des Pritzker-Preises 1984.

Es ist die schlichte Vollkommenheit, die den New Yorker fasziniert. Genau wie die reine Geometrie und der offene Raum, die seine Arbeiten prägen. Heute wird die Ikone der Baukunst 85 Jahre alt.

„Weiß bedeutet für mich alle Farben“, sagte Meier auch in einem seiner letzten veröffentlichten Videos 2015. Mit ihr könne man einen grauen Tag genauso aushalten wie einen mit einem weiten blauen Himmel. Das Weiß prägt deshalb viele seiner bedeutenden Bauten, darunter das Museum Frieder Burda in Baden-Baden, das Arp-Museum in Remagen oder das Getty Center in Los Angeles. Letzteres hält Meier selbst für sein „wahrscheinlich wichtigstes“ Werk.

Als Meier 1984 den Pritzker-Preis erhielt, war er knapp 50, ein gefeierter Architekt und hatte soeben das High Museum of Art in Atlanta beendet, wofür er auch geehrt wurde. Drei Jahrzehnte zuvor hatte er sich in der Wohnung seiner Eltern sein erstes Büro eingerichtet. Von da aus arbeitete er sich hoch, bis er zu den „New York Five“ gezählt wurde. Mit einem anderen dieser einst fünf wegweisenden jungen Architekten ist er verwandt, dem Schöpfer des Berliner Holocaust-Mahnmals Peter Eisenman.

Meiers Stil ist klar: Einfache Formen, schlichte Eleganz, gerade Linien - das klingt nach Bauhaus. Genau in der Tradition sieht sich Meier aber eben nicht, sondern in der eines Le Corbusier. Und so gerade sind seine Linien auch gar nicht, auch wenn sie der Geometrie folgen. Ein Schwung, eine Rundung ist eben doch oft dabei und wenn es einmal ganz gerade ist, wie beim Arp-Museum, dann sorgen Absätze oder runde Anbauten für Auflockerung.

Meier ist Architekt durch und durch. „Ich glaube daran, dass die Architektur die Kraft zur Inspiration, zur Erhöhung des Geistes hat, um beides zu nähren, den Körper und den Geist. Es ist die öffentlichste aller Kunstformen“, sagte er 2001. Oder: „Architektur ist die Mutter der Kunst.“

Aus dem öffentlichen Leben zog sich Meier inzwischen ein Stück weit zurück, denn wie viele prominente Männer in der US-Gesellschaft brachten ihn #MeToo-Vorwürfe zumindest ins Straucheln. Im März vergangenen Jahres warfen ihm fünf Frauen in der „New York Times“ sexuelle Übergriffe vor. Teilweise vor Jahrzehnten soll er sie etwa begrapscht, sich vor ihnen ausgezogen oder sie ins Bett gezerrt haben.

Meier gab sich „zutiefst beunruhigt und bestürzt“. Er ließ mitteilen: „Obwohl sich unsere Erinnerungen unterscheiden mögen, entschuldige ich mich aufrichtig bei allen, die ich durch mein Verhalten beleidigt habe.“ Dabei kündigte er eine sechsmonatige Auszeit von der Arbeit bei seinem Architekturstudio mit Sitz in New Jersey an.

Mittlerweile hat er sich offiziell ganz zurückgezogen, Interviews gab er bis zuletzt keine, Anfragen bleiben unbeantwortet. Die Architektur-Zeitschrift „The Architects Newspaper“ spekulierte zuletzt aber darüber, dass Meier wieder eingestiegen sein könnte. Nach dem Abgang eines neuen Leiters jedenfalls sei Meier unter den Mitarbeitern wieder oben gelistet.

Website Richard Meier&Partners

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