"Bahn-Verspätungsschal" als Vorbild: Politikerin äußert Kritik mit selbstgestricktem Schal

"Bahn-Verspätungsschal" als Vorbild : Politikerin äußert Kritik mit selbstgestricktem Schal

Statt einer Demonstration oder eines Aufstandes griff die kanadische Politikern Sue Montgomery zu einem simpleren und unkonventionellerem Mittel, um auf ungleiche Redeanteile zwischen Männern und Frauen aufmerksam zu machen: Sie strickt.

Sie strickt, um sich konzentrieren zu können – auch auf der Arbeit. Sue Montgomery ist Stadträtin und Bezirksbürgermeisterin in Montreal, Kanada. Vergangene Woche kam ihr beim monatlichen Treffen des Exekutivkomitees die Idee für eine originelle Kreation, inspirieren ließ sie sich dabei von dem Verspätungsschal einer Bahn-Pendlerin aus Deutschland.

Jedes Mal, wenn während der Sitzung ein Mann am Rednerpult stand, strickte sie mit roter Farbe. Zu Grün griff sie, wenn eine Frau an der Reihe war. Das Ergebnis veröffentlichte sie auf Twitter.

Der halbfertige Schal besteht hauptsächlich aus roten Flächen, nur wenige grüne mischen sich darunter. Obwohl das Komitee aus 31 weiblichen und aus 34 männlichen Vertretern besteht, zeigt ihre Strickaktivität, dass Männer noch immer den öffentlichen Diskurs dominieren. "Es ist nicht so, dass Frauen nicht reden würden, sie kommen bloß schneller auf den Punkt", sagte die Politikerin gegenüber der BBC.

In den sozialen Netzwerken stoß Montgomery mit ihrer Idee fast ausschließlich auf positive Resonanz. "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", schreibt ein Twitter-Nutzer. Eine andere Nutzerin hofft, dass Montogmerys nächster Schal aus mehr Grün als Rot besteht.

Montgomerys Plan ist es, bei den kommenden monatlichen Exekutivmeetings weiterzustricken. Bis Weihnachten möchte sie regelmäßig Fotos ihrer Fortschritte auf Twitter veröffentlichen. Ihre Hoffnung ist, den fertigen Schal versteigern und das Geld an eine Wohltätigkeitsorganisation für Frauen spenden zu können.

Mehr von GA BONN