Notre-Dame Paris: Wiederaufbau geht langsam voran

Kupferner Hahn ausgestellt : Ein Lichtblick und viele Ängste rund um Notre-Dame

Der Wiederaufbau der Kathedrale in Paris geht quälend langsam voran – doch die Anwohner rund um die Kirche haben ganz andere Probleme. Ein kupferner Hahn, der einst stolz auf der Spitze des Daches thronte, ist ein kleiner Lichtblick.

Der einst stolze Hahn sieht mitgenommen aus. Er ähnelt einer etwas bizarren Skulptur von Picasso, ziemlich gequetscht, unnatürlich verzerrt, den Schnabel zum Schrei weit aufgerissen – aber er hat überlebt. Eine kleine Ewigkeit thronte das kupferne Tier auf der Spitze des Daches von Notre-Dame, stürzte bei dem verheerenden Brand im April über 90 Meter in die Tiefe und wurde am Tag nach dem Inferno reichlich ramponiert aus der Asche geborgen. Nun wurde er im Rahmen des französischen Tages des offenen Denkmals in Paris im Palais Royal der staunenden Öffentlichkeit präsentiert.

Der geschmolzene Hahn ist zum Symbol des zähen Überlebenswillens geworden, einer der wenigen Lichtblicke, die den schwierigen Wiederaufbau der Kathedrale begleiten. Quälend langsam gehen die Arbeiten voran, nichts ist mehr zu hören von den forschen Ankündigungen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron, der noch in der Brandnacht versprach, Notre-Dame in fünf Jahren wieder dem Volk zu übergeben.

Mauern von Notre-Dame müssen abgestützt werden

Ein halbes Jahr nach der Katastrophe sind Fachleute noch immer damit beschäftigt, zu retten, was zu retten ist. Auf der einen Seite müssen immer wieder Teile der Mauern und Bögen abgestützt werden, um sie vor dem Einsturz zu bewahren, auf der anderen Seite müssen die Schäden erst noch katalogisieren werden. Philippe Villeneuve, zuständig für die Arbeiten an der Kathedrale, erklärte jüngst sehr vorsichtig, dass man innerhalb von fünf Jahren wahrscheinlich das Gewölbe und das Dach wiederherstellen könne, um die Kirche in Teilen wieder dem Publikum zugänglich zu machen – mehr nicht.

Eine ganz andere Perspektive haben die Anwohner rund um die Kathedrale. Sie sorgen sich weniger um den Fortgang der Arbeiten, als um die Belastung durch Giftstoffe. Bei dem Brand waren fast 500 Tonnen im Dach verbautes Blei geschmolzen und als giftige Dämpfe in die Luft gestiegen. Die unmittelbare Umgebung wurde bereits mehrfach gereinigt, doch über die tatsächliche Gefahr herrscht weiter Ungewissheit.

Ende vergangener Woche wurden die Bewohner erneut aufgeschreckt von einem Bericht in der „New York Times“. Darin ist von vertraulichen Dokumenten die Rede, in denen berichtet wird, dass die Belastung durch Blei in manchen Stadtteilen die vorgeschriebenen Werte um das bis zu 1300-fache übersteige. Die Stadt versucht, die Gemüter zu beruhigen, doch viele Menschen haben Angst um ihre Gesundheit.

Keine Sorgen vor Finanzierung

Allein um die Finanzierung des Wiederaufbaus scheint sich niemand Sorgen zu machen. Rund 850 Millionen wurden nach der Katastrophe von Spendern aus der ganzen Welt zugesagt. Berichte über den nur zähen Eingang des Geldes werden von Patrick Chauvet, Domdekan der Kathedrale Notre-Dame de Paris, entkräftet. Großspender wie die französischen Milliardärsfamilien Arnault und Pinault, die Beträge in dreistelliger Millionenhöhe zugesagt haben, würden natürlich nicht die ganze Summe auf einmal überweisen. „Sie wollen die Rechnungen sehen“, erklärte Chauve im „Radio Notre-Dame“ das Vorgehen und versicherte, dass alle Spender ihre Versprechen halten würden.

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