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Asia Argento: #MeToo-Vorkämpferin selbst des sexuellen Übergriffs beschuldigt

Asia Argento : #MeToo-Vorkämpferin selbst des sexuellen Übergriffs beschuldigt

Asia Argento gilt als eine der Leitstimmen der #MeToo-Bewegung. Nun bringen Medienberichte das Bild der streitbaren Feministin ins Wanken. Argento wird eines sexuellen Übergriffs beschuldigt.

Als sich ihr Lebensabschnittspartner, der CNN-Weltküchenerklärer Anthony Bourdain im Juni das Leben nahm, bekam Asia Argento die dunkle Seite des Internets zu spüren. In den Tod habe sie den graumelierten Lebenskünstler getrieben, schrieben anonyme Eiferer völlig aus der Luft gegriffen. Seit Montag hat die Tochter des italienischen Horrorfilm-Virtuosen Dario Argento eine noch viel giftigere Welle von Gehässigkeiten zu gewärtigen.

„Verlogen“, „doppelzüngig“, „verachtenswert“ wird die 42-jährige Römerin genannt, die zu den ersten Frauen gehörte, die sich im vergangenen Herbst öffentlich als Sex-Opfer des Hollywood-Produzenten Harvey Weinstein zu erkennen gegeben hatten. Gemeinsam mit der Schauspielerin Rose McGowan ist Argento seither zur Jeanne d'Arc der #MeToo-Bewegung aufgestiegen, die weltweit Übergriffe und Machtmissbrauch von Männern anprangert und zum abrupten Ende etlicher Star-Karrieren geführt hat.

Ein Enthüllungsbericht der „New York Times“ hat das Bild der streitbaren Feministin aus Sicht von Kritikern schwer ins Wanken gebracht. Danach hat Asia Argento vor fünf Jahren einen damals nach kalifornischem Recht minderjährigen Jungen in einem Hotel zum Sex genötigt und ihm später, als er psychische Schäden geltend machte, außergerichtlich über Anwälte 380.000 Dollar Entschädigung gezahlt.

Die „Times“, die gemeinsam mit dem Magazin „New Yorker“, 2017 den Weinstein-Skandal ins Rollen brachte und dafür mehrere Preise gewann, erhielt nach eigenen Angaben via E-Mail Unterlagen und Fotos, die den Kern-Vorwurf beglaubigen.

Was wirklich im Hotel geschah, ist unklar

Jimmy Bennett traf sich demnach mit Argento am 9. Mai 2013 im Ritz-Carlton-Hotel in Marina del Rey bei Los Angeles. Die beiden kannten sich seit 2004. Damals spielte Argento in dem von ihr selbst inspirierten und produzierten Film „Das Herz ist eine hinterlistige Person“ eine Mutter, die als Prostituierte arbeitet. Bennett, der schon mit Stars wie Bruce Willis und Eddie Murphy vor der Kamera stand, übernahm die Rolle des Sohnes.

Seit dieser Zeit inszenierten die beiden im echten Leben eine freundschaftliche Quasi-Mutter-Sohn-Beziehung. Darum nahm auch niemand groß Notiz, als Argento wie Bennett in sozialen Netzwerken die Begegnung in dem Hotel vorfreudig annoncierten.

Was dort exakt geschah, ist unklar, weil beide Beteiligten bisher eisern schweigen. Die Aktenlage zeichnet diese Bild: Die damals 37-Jährige, eine impulsive, leidenschaftliche Frau, machte den jungen Mann mit Alkohol gefügig, befriedigte ihn oral und hatte danach Sex mit ihm. Was in Kalifornien einvernehmlich ab 18 Jahren gesetzlich erlaubt ist. Bennett war 17. Auf der Rückfahrt zu seinen Eltern, die wenig entfernt in Huntington Beach leben, habe sich Bennett „verwirrt“ gefühlt, zitiert die "New York Times" aus Anwalts-Protokollen. Dort ist auch die Rede von mehreren Handy-Fotos, die Argento und Bennett im Bett zeigen.

"Es hat mir das Herz gebrochen"

Fünf Jahre vorgespult: Als Asia Argento 2017 zur Leitstimme der Anti-Weinstein-Bewegung wurde, seien bei Bennett die „traumatischen“ Erinnerungen an die „sexuelle Nötigung“ im Hotel wieder hochgekommen, sagen seine Anwälte. Er verlangte Wiedergutmachung für ausgebliebene Gagen als Schauspieler und seelische Schäden im Umfang von 3,5 Millionen Dollar. Man verständigte sich auf etwas mehr als ein Zehntel. Ein erste Rate von 200.000 Dollar wurde in diesem Frühjahr ausgezahlt.

Kurz darauf nutzte Argento die Filmfest-Spiele von Cannes für eine weltweit registrierte Tirade. „1997 wurde ich von Harvey Weinstein hier in Cannes vergewaltigt“, rief sie bei der Preisverleihung im Mai, „ich war 21 Jahre alt, und dieses Festival war sein Jagdrevier.“ An die Zuhörer gewandt fügte sie hinzu, dass im Publikum noch Personen säßen, „die noch zur Verantwortung gezogen werden müssen. Wir lassen euch nicht davonkommen.“

Im Licht ihres eigenen Fehlverhaltens wirke die Drohung beinahe bigott, heißt es in US-Medienzirkeln. Andere warnen dagegen davor, die "Fälle gegeneinander aufzurechnen". Rose McGowan, Argento Mitstreiterin in der #MeToo-Bewegung, zeigte sich über den Fall Jimmy Bennett geschockt: „Es hat mir das Herz gebrochen“, erklärte sie auf Twitter.