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Zugunglück in Kanada: Kellnerin überlebt dank einer Zigarette

Zugunglück in Kanada : Kellnerin überlebt dank einer Zigarette

Es klingt wie das Drehbuch für einen Katastrophenfilm, was Maude Verreault beschreibt: Sie raucht auf der Terrasse eine Zigarette, sieht den Tankzug, rennt um ihr Leben - während ihre Freunde wohl in der Bar verbrennen.

Maude Verreault verdankt ihr Leben einerZigarette. Die 36-Jährige war Kellnerin in der Bar "Musi-Café" imZentrum von Lac-Mégantic - jener kanadischen Kleinstadt, die nach derExplosion eines Tankzugs nun in Trümmern liegt. "Ich war auf derTerrasse und habe plötzlich ein unglaublich lautes Geräusch gehört",erzählt Verreault der Nachrichtenagentur dpa. "Ich drehte mich um undsah den Zug in einer wahnsinnigen Geschwindigkeit auf uns zurasen.Dann schnellte ein Waggon in die Höhe und ich dachte mir: "Oh, etwasSchlimmes passiert gleich"."

Verreault hatte gerade eine Zigarettenpause eingelegt, als derführerloser Zug mit 73 Kesselwagen voller Rohöl am Samstagmorgen indas 6000-Einwohner-Städtchen hinein raste und mit mehrerenFeuerbällen explodierte. Die Gleise verlaufen nur einige Meter hinterder beliebten Bar.

"Ich rannte so schnell ich konnte, ich rannte bis mein Rückennicht mehr brannte, denn hinter mir war es schrecklich heiß",berichtet Verreault. "Und als ich mich schließlich umdrehte, standdie Innenstadt völlig in Flammen." Es gab viele Tote, mindestens 30Gebäude wurden zerstört, rund 2000 Menschen mussten vorübergehendihre Häuser verlassen. Noch immer gelten Dutzende als vermisst.

Die meisten von ihnen, glaubt Verreault, waren im "Musi-Café". "Esmüssten etwa 40 bis 50 Menschen drinnen gewesen sein, als ichrausging, um eine Zigarette zu rauchen", sagt sie, während sie ineiner Notunterkunft an einer Zigarette zieht. "Es gab Livemusik unddie Leute sangen und tanzten."

Auch Verreaults Freundin und Arbeitskollegin, die 35-jährigeKarine Blanchette, überlebte die Katastrophe. Das "Musi-Café" sei einangesagter Ort gewesen, erzählt Blanchette. "Es war mehr als einLokal für uns, es war unser zweites Zuhause. Wir waren wie eineFamilie, wir kannten all unsere Gäste, sie haben ihre Leben mit unsgeteilt", sagt sie. "Wir haben gute Freunde verloren."

Blanchette, die nebenbei Schauspielerin ist, überlebte, weil sievor der Bar keinen Parkplatz finden konnte, als sie nach einemAuftritt dort Freunde treffen wollte. "Ich sah einen großen Feuerballund dachte erst, dass eine Fabrik brennt", erzählt sie.

"Dann rief mich ein Freund auf dem Handy an und sagte, ich sollesofort die Stadt verlassen. Er sagte mir, das gesamte Stadtzentrumstehe in Flammen." Blanchette dachte sofort an ihre Freunde. "Ichhabe immer wieder die Nummer der Bar gewählt, aber die Leitung warausgefallen."

Verreault und Blanchette trafen in dieser Nacht noch aufeinander -und trotz Chaos und Gefahr entschieden die beiden Frauen zurück zugehen. "Ich konnte nicht Zuhause sitzen, während meine Freunde beilebendigem Leib verbrannten", sagt Blanchette. Doch die Hitze war zuintensiv und sie mussten umkehren. Verreault und Blanchette lebenaußerhalb der abgebrannten Innenstadt, aber sie kommen regelmäßig indie Notunterkunft, um zu helfen.

Sie müsse wohl akzeptieren, dass sie ihre Freunde nie mehr wiedersehen werde, sagt Blanchette. Um wieder ein normales Leben führen zukönnen, wünscht sich Verreault, dass die Gleise aus der Stadtverschwinden. "Ich möchte dieses verdammte Ding schmelzen und dortstattdessen ein Denkmal für meine Freunde bauen", sagt sie.